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Gott schließt die Tür

Wieder nur Ärger. Die Menschheit hatte es sich auf Gottes Erdball gemütlich gemacht und sich eingelebt. Aber Gott musste mit ansehen, „dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war“ – und das auch noch andauernd. (1. Mose 6,5). Kaum vorstellbar, aber es wird berichtet, dass es dem liebenden Gott ernsthaft Leid tat, uns überhaupt erschaffen zu haben. Sein Empfinden war ähnlich tief wie die Bosheit der Menschen, denn „es bekümmerte ihn in seinem Herzen“ (1. Mose 6,6). In seinem – heiligen? – Zorn will er nichts mehr von ihnen sehen. Alle sollen sterben. Nur Noah nicht. Denn er und seine Familie hatten sich niemals etwas zuschulden kommen lassen. Auch in der neuen Lutherübersetzung wird dafür das altmodische aber schöne Wort „untadelig“  verwendet. Der Rest ist bekannt: Gott kündigt Noah die große Sintflut an, liefert ihm eine Bauanleitung für ein unfassbar großes Schiff, Noah wird zum Schiffbauer und baut die Arche, er wird zum Zoodirektor und sammelt Tierpaare ein. Der Regen setzt ein. Alle sind an Bord, Menschen und Tiere. Aber wer macht jetzt die Schotten dicht? Wenn die große Luke erstmal von außen geschlossen ist, müsste ja einer draußen bleiben... Eine erzählerische Lösung muss her. Die ist wieder eine der zärtlichen Gesten Gottes: „Der Herr schloss hinter ihm zu.“ (1. Mose 7,16) Das soll kaum anders vorstellbar sein, als dass die mächtige Hand des Schöpfers selbst aus dem Himmel nach unten greift. Gott hat sich dazu keiner Hilfsmittel bedient, eines Windstoßes oder so. Ganz sacht muss die Bewegung gewesen sein, damit nicht vom Rumms die Hühner aufflattern oder sich eins der Tiere den Schwanz einklemmt. Obwohl Gott doch mit einem großen Knall alles vernichten will.

Mir gelingt es einfach nicht, Gott für Sintflut verantwortlich zu machen – und deswegen sein Handeln in Frage zu stellen. Wenn er doch alles gut geschaffen hat, ist der Mensch doch selbst schuld, wenn dem Allmächtigen ob seiner Bosheit der Kragen platzt, oder? Ich finde diesen zornigen Gott sehr menschlich.

Gleichzeitig sehe ich im eigenhändigen Schließen der Tür einen großen Akt der Gnade. Wenn unsereins zornig ist, dann knallt schon mal eine Tür. Kurzfristig sorgt das für Aggressionsabbau, auch wenn die Tür nichts dafür kann. Noch mehr und ohne Worte, dafür umso lauter, sagt die verschlossene Tür aber: Ich will dich nicht mehr sehen. Etwas soll zwischen uns sein.

Wieviel schöner wäre es, wenn wir auch im Streit die Türen ganz sacht schließen würden. Nicht, um ein Hindernis zwischen zwei Menschen aufzubauen. Sondern um Pause vom Zorn zu machen und lieber dem Streit gnädig etwas entgegen zu setzen. Damit nach der (Tränen)Flut am Ende ein neuer Regenbogen leuchten kann.

Mit Blick auf blauen Himmel grüßt Ihre Pastorin Birte Wielage

 

Gott näht

Es ist nicht jedem Menschen gegeben, Liebe zu zeigen. Verliebte werden alleine plötzlich zu Dichtern und denken Worte, von denen sie gar nicht wussten, dass sie zu ihrem Wortschatz gehören. Aber wenn er oder sie dann vor ihnen steht, ist der ganze Kopf auf einmal leer und das Sprachzentrum versagt kläglich. Partner lieben einander noch immer, und trotzdem vergessen sie den Hochzeitstag oder wieviel Freude kleine Überraschungen machen können. Eltern würden sterben für ihre Kinder und schreien sie trotzdem ständig an. Das Leben ist manchmal krumm und schief.

Gott ist im Liebe-Zeigen ganz gut. Er ist sogar so geschickt, dass man die Zeichen seiner Liebe leicht übersehen kann. Dabei zeugen gerade seine kleinen Gesten von seiner wahren Größe. Die erste, um die es gehen soll, steht gleich im ersten Buch der Bibel, schon im dritten Kapitel. Gott hatte die ganze Welt erschaffen, mittendrin einen paradiesisch schönen Garten. Er hat sich die Menschen einfallen lassen, und schon gab es Probleme. Wie ein Vater hatte Gott seinen beiden geliebten Kindern Adam und Eva etwas verboten, um sie zu schützen. Alles, alles dürften sie essen, nur nicht die Früchte vom Baum der Erkenntnis und dem Baum des Lebens. Der Rest ist bekannt: Die Schlange belabert Eva, die kann nicht widerstehen und isst eine Frucht, verführt auch Adam dazu, beide schämen sich plötzlich für ihre Nacktheit, sie verstecken sich, Gott findet sie ohne suchen zu müssen und bestraft alle drei. Ich denke, der Rauswurf aus dem Paradies stand schon fest. Aber mitten in diesem ganzen Sumpf aus Gier, List, Misstrauen und Habenwollen gibt es eine unglaublich liebevolle Geste: „Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an.“ (1. Mose 3,21) Irre. Gott muss genäht haben. Sonst hält das doch nicht. Tacker hatte noch nicht einmal der Allmächtige erfunden. Er hat auch nicht gesagt: „Ich hab euch dahinten was hingelegt, zieht euch mal was über!“ Nein. Die Vorstellung ist, dass er selbst die beiden ersten Menschen angezogen hat. Er hat in den Abgrund ihrer Herzen gesehen. Aber er lässt sie nicht gehen, ohne ihnen in ihrer Scham zu helfen. Das ist großartig.

So könnte das doch auch gehen, oder? Mutter zu ihrem Kind, denkt: Du hattest gerade einen Tobsuchtsanfall? Ich zieh dir deine Jacke an. – Er zu ihr, denkt: Nie ist sie pünktlich... Ich helf ihr in den Mantel. – Sohn oder Tochter zum alt gewordenen Elternteil, denkt: Du erkennst mich nicht mehr? Ich zieh dich an.

Das sind Schattensprünge, weil der eigene Schatten übersprungen werden muss. Aber mit solchen Liebestupfern werden der Alltag und die Welt schöner.

Ihre Pastorin Birte Wielage

Es gibt eine Sonntagsandacht zum Thema 'Fußstapfen'. Es geht um die Fußspuren, die wir gerade in diesen Zeiten hinterlassen und auf die wir eines Tages zurückschauen werden. In dieser Andacht kommen auch die Konfirmationen zur Sprache, die an diesem und am kommenden Wochenende stattgefunden hätten und nun verschoben werden mussten. Diese Andacht ist von zehn Mitarbeitenden der Kirchengemeinde gestaltet worden, vom Konfimanden bis hin zu Mitgliedern des Gemeindekirchenrates und dem Online-Team. Die Predigt in dieser Andacht hält Pastor Reinerbackenköhler. Sie wird auch für alle Menschen ohne Internetzugang beim Martin-Luther-Gemeindehaus zum Pflücken aushängen und in der Elisabeth-Kirche ausliegen.

Für Kinder und Familien wird an diesem Sonntag auf dem YouTube-Kanal bzw. hier auf unserer Homepage wieder eine Bildergeschichte bereit gestellt. Michael, Melanie und Malte gehen in die Briefproduktion, was in diesen Tagen eine besonders wertvolle Form der Kontaktaufnahme ist. Die Geschichte wurde  geschrieben und gemalt von Pastor Reiner Backenköhler.

An diesem Sonntag, den 26. April,  wird auch wieder die St. Elisabeth-Kirche für zwei Stunden geöffnet sein. Von 14 bis 16 Uhr dürfen Gemeindeglieder unter Beachtung des Abstandsgebotes die Kirche betreten. Organisatorin und Gesprächspartnerin ist Pastorin Birte Wielage, die vor der Kirche auch zwei Sitzbänke zum 'Schnacken' mit Abstand aufstellen wird.

Osterandachten
In Ihrer Andacht in der St. Elisabeth-Kirche bringt Pastorin Birte Wielage das Osterevangelium nach Jonannes zu Gehör und beseitigt dabei sichtbar alle Hindernisse. Musikalisch gestaltet wird dieser Beitrag durch die Musikerinnen Uta Rose und Mila Potiyenko und den Musiker Alexander Potiyenko.
Pastor Udo Dreyer hält seine Osterandacht in der Heilig-Geist-Kapelle in Wüsting und begleitet dabei die beiden Marias am Ostermorgen an das Grab Jesu. Diese Andacht beginnt mit einem österlichen Trompetensolo von Alexander Potiyenko vor der Kirche. Die Andachten finden Sie wieder auf unserem Youtube Kanal oder unter der Rubrik Aktuelle Angebote - Andachten - Ostern hier auf unserer Homepage.

Auch für die Kinder ist an diesem Osterfest gesorgt. Die 'Vier M's', Michael, Melanie, Malte und Oma Meyer machen sich auch zu Ostern auf den Weg in die Häuser Hudes. Die Geschichten sind wieder geschrieben, gemalt und eingespielt von Pastor Reiner Backenköhler.
Für die Kinder sind beim Martin-Luther-Gemeindehaus, Waldstraße 31, am Ostermorgen kleine Bilderbibeln zum Mitnehmen ausgehängt. Und wer als Spaziergänger an den Osterfeiertagen auf bunt bemalte Steine trifft mit dem Absender unserer Kirchengemeinde, der darf sie gerne als Ostergruß mit nach Hause nehmen.

Beginnen aber wird das Osterfest mit dem Entzünden der Osterkerze. Diesmal aber zu sehen auf unserem Youtube Kanal oder aber hier auf der Homepage. 

 

Schwamm

Karfreitag. Der Tag, an dem Jesus gestorben ist, stirbt, im Gedächtnis der Christenheit Jahr für Jahr wieder. Die wichtigsten Dinge müssen in der Erinnerung wiederholt werden, damit sie nicht vergessen werden.

Ein unscheinbarer Gegenstand wird zum Symbol für die unermesslichen Qualen, die Christus erlitten hat: ein Schwamm.

Markus (15,22-37) und Matthäus (27,45-50) erzählen die letzten Augenblicke des Lebens Jesu, sie erzählen seinen Tod. Menschen stehen unter dem Kreuz. Es bleibt ungewiss, ob es Soldaten sind oder Juden. Anders als in den Berichten von Lukas und Johannes gibt es keine Menschen, die ihm am Kreuz zur Seite stehen würden. Jesus ist allein, ruft sogar zu seinem Vater: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Einer nimmt einen Schwamm. Er steckt ihn auf ein Rohr, weil das Kreuz so hoch aufgerichtet ist. Der Schwamm ist mit Essig getränkt.

Lange dachte ich, dass diese Tat das einzig Milde ist, das im Leiden erkennbar wird: saurer Essig als Linderung gegen den Durst, ähnlich der Zitrone, die zur Erfrischung in Wasser gegeben wird. Aber so ist es nicht. Der Essig bereitet neue Qualen. Was Jesus ruft, wird mit Absicht missverstanden. Sein Leben und damit seine Qual soll mit dem Essig kurzfristig verlängert werden, damit – wie boshaft – der angeblich herbeigerufene Prophet Zeit genug hat, um tatsächlich zu erscheinen. Die Verspottung setzt sich fort noch am Kreuz.

Im Bericht des Johannes (19,28-30) kommt zu den Schmerzen auch noch Durst. Jesus selbst äußert den Wunsch, etwas zu trinken. „Mich dürstet“, sagt Jesus. Einer reicht ihm den Schwamm und hält ihn an seinen Mund. Auch hier: keine Linderung. Wir sehen nur deutlicher die Menschlichkeit Jesu vor Augen. Er leidet wie alle am Kreuz Gefolterten. Nur Johannes berichtet, dass Jesus auch trinkt. Der Schwamm wird zu dem bitteren Kelch, den ihm der Vater gibt (Joh 18,11).

Sogar etwas Banales wie ein Schwamm ist in seiner ganzen Willenlosigkeit und Objekthaftigkeit auf der Seite der Gegner. Kein Trost, nirgends.

Jesus ist tot. Mehr ist für heute nicht zu sagen.

Pastorin Birte Wielage