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Tägliche Impulse – Samstag, 18. April 2020

Holterdiepolter

Wie schon der Purzelbaum ist auch „holterdiepolter“ die Idee einer treuen Leserin. Mit diesem Wort kann man förmlich hören, was damit gemeint ist. Es handelt sich um eine „Lautmalerei“. Der dicke Wahrig (keine Diskriminierung! ein Wörterbuch!) schreibt, das sei eine „lautnachahmende Erweiterung zu poltern“. Der Lärm, wenn jemand etwa Hals über Kopf die Treppe hinunterläuft, kommt im Adverb schon vor. Rumms, Tür zu.

Solche Wörter gibt es eine ganze Menge. Besonders viele gibt es zur Beschreibung der Laute von Vögeln. Kleine Vögel piepsen, und schon beim Aussprechen sieht man doch die aufgesperrten Schnäbel der kleinen Flauschknäuel vor sich, oder? Wenn sie sich sängerisch weiterentwickelt haben, können sie tirilieren. Gänse sind darin nicht ganz so gut, sie schnattern halt. Was sich wiederum auf Menschen übertragen lässt: Wer friert, bekommt eine Gänsehaut und schnattert vor Kälte. Beim Kuckuck wurde sein Ruf zur Bezeichnung des ganzen Vogels. Dagegen irrte das Duo Klaus & Klaus im Klamauklied „Da steht ein Pferd auf dem Flur“ mit der vermeintlichen Ableitung: „Ein Pferd heißt Pferd, weil es fährt.“

Im Kinderbuch „Die kleine Hexe“ hat Otfried Preußler ihre fiese Tante Rumpumpel genannt. Logisch, als Wetterhexe kann sie es schließlich ordentlich krachen lassen – was sie dann auch im übertragenen Sinne tut, indem sie für ein Donnerwetter der Oberhexe sorgt. Auch „krachen“ ist übrigens schon qua Aussprache ein Beispiel für den damit ausgedrückten Lärm.

Wenn es Sommer wird, gibt es neue Beispiele: Die Träger von Flipflops machen mit ihren Schuhen das typische floppende Geräusch, darum heißen die Dinger so. An einem heißen Tag ist es erfrischend, mit einem Zischen eine Flasche Limonade zu öffnen, das Blubbern im Glas zu hören und zu spüren, wie sie dann in der Kehle gluckert.

Sogar, was diese lautmalerischen Wörter angeht, lohnt sich ein Blick in die Bibel. So wird die Erde, als Gott sie gerade erst gewissermaßen als Rohling geschaffen hatte, als wüst (hebräisch tohu für Wüste) und leer (wavohu hebr. für Leere) beschrieben – also ein einziges Tohuwabohu! Dabei ist es nicht geblieben. Wir können mit dem Beter sagen: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet.“ (Psalm 104,24) Vom Piepsen der Vögel bis zum Pferd auf dem... Also, wenn da mal was durcheinander kommt, dann trägt dafür der Mensch die Verantwortung.

Kleiner Nachtrag zum Wochenschluss: Vielleicht meint nun der eine oder die andere, dass die biblischen Bezüge zu den lustigen Wörtern an den Haaren herbeigezogen sind. Ich halte dagegen: Die Bibel ist einfach ein Buch für alle Lebenslagen. Nicht nur zur Orientierung, für Trost und Ermutigung, sondern auch für die lauten und die albernen Momente.

Mit klappernder Tastatur grüßt Ihre Pastorin Birte Wielage