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Im Verlauf des Samstags finden Sie wieder zwei neue Beiträge in unserem YouTube Kanal. Die neuen Videos können Sie aber auch direkt hier auf der Homepage anschauen.

Pastor Reiner Backenköhler hat zusammen mit seinem Online-Team wieder eine Bildergeschichte gemalt und aufgenommen. Diese Geschichten sind übrigens nicht nur für Kinder geeignet, sondern sollen Menschen aller Altersgruppen das Herz erwärmen. Diesmal geht es um ein besonderes Nebenprodukt der Corona-Zeit: Um den "Piesepampel". Die neueste Geschichte heißt: "Oma Meyer und der Piesepampel von Posemuckel". Hauptfiguren sind wieder die "Vier M's", Michael, Melanie, Malte und Oma Meyer.

Die Huder Gospelsingers unter Leitung von Uta Rose haben ein Irisches Segenslied unter Corona-Bedingungen aufgenommen. Das Lied "Möge die Straße" wird mit vielen Chormitgliedern gesungen. Wegen des Kontaktverbotes haben sie sich dazu aber nicht an einem Ort treffen können, sondern jede Sängerin und Sänger hat kurze Abschnitte des Liedes zuhause aufgenommen und diese wurden am Ende zu einem Lied zusammengeschnitten. So zeigen die 'HuGos', wie Chöre auch in der Trennung gemeinsam singen können.

Holterdiepolter

Wie schon der Purzelbaum ist auch „holterdiepolter“ die Idee einer treuen Leserin. Mit diesem Wort kann man förmlich hören, was damit gemeint ist. Es handelt sich um eine „Lautmalerei“. Der dicke Wahrig (keine Diskriminierung! ein Wörterbuch!) schreibt, das sei eine „lautnachahmende Erweiterung zu poltern“. Der Lärm, wenn jemand etwa Hals über Kopf die Treppe hinunterläuft, kommt im Adverb schon vor. Rumms, Tür zu.

Solche Wörter gibt es eine ganze Menge. Besonders viele gibt es zur Beschreibung der Laute von Vögeln. Kleine Vögel piepsen, und schon beim Aussprechen sieht man doch die aufgesperrten Schnäbel der kleinen Flauschknäuel vor sich, oder? Wenn sie sich sängerisch weiterentwickelt haben, können sie tirilieren. Gänse sind darin nicht ganz so gut, sie schnattern halt. Was sich wiederum auf Menschen übertragen lässt: Wer friert, bekommt eine Gänsehaut und schnattert vor Kälte. Beim Kuckuck wurde sein Ruf zur Bezeichnung des ganzen Vogels. Dagegen irrte das Duo Klaus & Klaus im Klamauklied „Da steht ein Pferd auf dem Flur“ mit der vermeintlichen Ableitung: „Ein Pferd heißt Pferd, weil es fährt.“

Im Kinderbuch „Die kleine Hexe“ hat Otfried Preußler ihre fiese Tante Rumpumpel genannt. Logisch, als Wetterhexe kann sie es schließlich ordentlich krachen lassen – was sie dann auch im übertragenen Sinne tut, indem sie für ein Donnerwetter der Oberhexe sorgt. Auch „krachen“ ist übrigens schon qua Aussprache ein Beispiel für den damit ausgedrückten Lärm.

Wenn es Sommer wird, gibt es neue Beispiele: Die Träger von Flipflops machen mit ihren Schuhen das typische floppende Geräusch, darum heißen die Dinger so. An einem heißen Tag ist es erfrischend, mit einem Zischen eine Flasche Limonade zu öffnen, das Blubbern im Glas zu hören und zu spüren, wie sie dann in der Kehle gluckert.

Sogar, was diese lautmalerischen Wörter angeht, lohnt sich ein Blick in die Bibel. So wird die Erde, als Gott sie gerade erst gewissermaßen als Rohling geschaffen hatte, als wüst (hebräisch tohu für Wüste) und leer (wavohu hebr. für Leere) beschrieben – also ein einziges Tohuwabohu! Dabei ist es nicht geblieben. Wir können mit dem Beter sagen: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet.“ (Psalm 104,24) Vom Piepsen der Vögel bis zum Pferd auf dem... Also, wenn da mal was durcheinander kommt, dann trägt dafür der Mensch die Verantwortung.

Kleiner Nachtrag zum Wochenschluss: Vielleicht meint nun der eine oder die andere, dass die biblischen Bezüge zu den lustigen Wörtern an den Haaren herbeigezogen sind. Ich halte dagegen: Die Bibel ist einfach ein Buch für alle Lebenslagen. Nicht nur zur Orientierung, für Trost und Ermutigung, sondern auch für die lauten und die albernen Momente.

Mit klappernder Tastatur grüßt Ihre Pastorin Birte Wielage

Purzelbaum

Es gibt Wörter, die wegen ihres bloßen Klanges lustig sind. Andere sind lustig, wenn man sich das Bezeichnete wörtlich vorstellt. So ein Wort ist „Purzelbaum“.

Der Purzelbaum ist mir in dreifacher Hinsicht sympathisch. Erstens geht dabei der naheliegendste Gedanke zu spielenden Kindern. Vom Kindergarten bis über das Grundschulalter hinaus wissen die meisten nicht, wohin mit ihrem Bewegungsdrang. Einfach gehen geht nicht, sie müssen ständig rennen und hopsen. Oder drinnen oder draußen Purzelbäume schlagen. Nachdem viele Kinder angeblich schon lange nicht mehr rückwärts laufen und inzwischen offenbar nicht einmal mehr auf einem Bein stehen können, hoffe ich, dass sie wenigstens die Fähigkeit zur klassischen Rolle vorwärts nicht so schnell verlieren.

Zweitens gefällt mir die Bewegung als solche (wenn auch meine eigene Gelenkigkeit zu wünschen übrig lässt). Denn ähnlich wie ein Rad oder einen Salto zu schlagen oder einen Handstand zu machen ist sie völlig zweckfrei. Ich erkenne darin eher pure Lebensfreude. Bei allen Bewegungen verschiebt sich außerdem die Perspektive. Für einen kurzen Moment steht die Welt Kopf – durch die eigene Körperkraft. Purzelbäume, geschlagene Räder, ein Salto oder der Handstand heben gewissermaßen die Welt aus den Angeln. Auch im übertragenen Sinne ist so ein Wechsel des Blickwinkels manchmal ganz heilsam.

Drittens gefällt mir die wörtliche Vorstellung. Ein Baum, der purzelt – oder gar selbst den Purzelbaum macht – wird durch das Wort zum Subjekt. Ihm wird nicht durch die Kettensäge Gewalt angetan, dann würde er ja gefällt und fallen. Er ist nicht Opfer eines Orkans, dann würde er stürzen. Ein purzelnder Baum wäre Teil der überbordenden, phantasievollen Schöpfung. Vielleicht würde er freiwillig einen Hügel herunterpurzeln, sich dabei mit seinen Ästen abstützen, unten leise kirchernd liegen bleiben und sich den Stamm von der Sonne kitzeln lassen. Nach dem kleinen Ausflug kletterte er mit seinen starken Wurzeln wieder zurück an seinen Platz, um weiter den Vögeln unter dem Himmel und den Insekten eine Behausung zu bieten und für saubere Luft zu sorgen.

Die Vorstellung ist natürlich ziemlich abwegig. In ähnlicher Form findet sie sich aber sogar schon beim Propheten Jesaja. Es geht um eine Verheißung an alle, die sich auf den Weg mit Gott einlassen. Ihnen wird in Aussicht gestellt: „Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.“ (Jesaja 55,12) Auch das stelle ich mir für einen Augenblick wörtlich vor. Was wäre das für ein Glück. Und wie schön wäre es, wenn Mensch und Natur sich auf diese Weise endlich ganz einig wären.

Ihre Pastorin Birte Wielage

Vertauschungen 

Tuten Gag! Heute soll es nicht um ein lustiges Wort gehen. Sondern es folgt eine Idee, wie wir auf einfache Weise alle selbst ganz viele neue lustige Wörter auf einmal erfinden können. Die Idee ist alt, hat für mich aber nichts von seinem Reiz verloren: Es werden einfach die Anfangsbuchstaben von zwei Wörtern oder zwei Teilen eines Wortes vertauscht. Schon Kinder können darin ganz erfinderisch sein!

Das geht zum Beispiel gut mit einer kleinen Tahrradfour. Sie packen eine Flinktrasche und den Beldgeutel in Ihre Tandhasche oder einen Boffsteutel und lahren fos. Jetzt im Lühfring ist das besonders schön, wegen der Birschklüte. Vorbei an Weldern und Fiesen, die ersten Sienen bummen... Schunderwön! Die Jindwacke schützt vor der brischen Frise. Andere hatten die gleiche Idee. Käher nommen darf man sich nun nicht, aber man kann sich ja freundlich wuzinken. Ist klar, das Prinzip, ne?

Toll funktioniert das auch mit Essen. Probieren Sie dieses Rezept mal mit Ihrem Lieblingsessen aus. Ich zum Beispiel esse gerne Frühnerhikassee und Kühngrohl. Kinder würden vielleicht Kommes mit Petchup nennen, Jugendliche Palamisizza oder Sudeln mit Noße. Und wer könnte schon einem Tück Storte mit Sagschlahne widerstehen?

Ein Essen aus meiner Heimat heißt an sich schon lustig: Punkebrot mit Stopsel. Noch bin ich nicht dahinter gekommen, ob es das im Oldenburgischen auch gibt. Stopsel ähnelt jedenfalls Bremer Knipp. Punkebrot ist Wurstebrot, in Würfeln gebratene Blutwurst. Auf jeden Fall klingt dieses Essen verdreht noch lustiger, denn dann wird daraus Stunkebrot mit Popsel.

Mein kulinarisches Highlight in dieser Hinsicht ist allerdings der Satz: Ich habe mir ein Schnutenpitzel in der Branne gepfutzelt.

War das jetzt zu albern? Finde ich nicht. Es kann ruhig auch Albernheit sein, die das, was den Alltag schwer macht, wieder leichter macht. Als Netz und doppelter Boden, damit wir unter der Last nicht begraben werden, bleibt uns ja ohnehin Jesus Christus. Der hat gesagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. [...] Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28 und 30) Das können Sie gerne mal in der Libel besen. Spiel Vaß dabei!

Viele Hüße aus Grude, Ihre Pastorin Birte Wielage

 

P.S.: Wer Gefallen an dieser Idee gefunden hat, kann sich dazu auch Hörbeispiele anhören. Seit mindestens 2011 produziert der süddeutsche Sadiorender SWR3 die Serie „Tuten Gag“. Es gibt sogar schon Folgen zu Plokapier und Schundmutz.

Südsibirischer Sumpfschnorcheltaucher 

Können Sie sich an Situationen erinnern, in denen Sie einfach nicht mehr aufhören konnten zu lachen? Lachkrampf oder Lachanfall hieß das in meiner Jugend, heute ist es der Lachflash. Irgendetwas nicht einmal besonders Lustiges löst einen Lachreiz aus, steckt andere an, lässt Lachtränen fließen und weitere Anwesende ein verständnisloses Gesicht machen. Es gilt als ausgemacht, dass vor allem pubertierende Mädchen zum Lachflash fähig sind. Gemeint ist dann, wie unangemessen das ist, weil es nicht in die Situation passt. Ich finde das unfair: Erstens den Mädchen gegenüber, weil sie ja nichts dafür können. Zweitens den Jungs gegenüber, weil die genauso lachen können. Es gibt wirklich kaum etwas Schöneres als Jugendliche zu sehen, die sich ausschütten vor Lachen – auch, wenn gerade Konfirmandenunterricht ist. Schließlich ist das auch allen anderen gegenüber unfair, die sich genauso unmotiviert kaputtlachen können.

Eine meiner Erinnerungen an gemeinsames Lachen hängt mit einem Spiel aus meiner Jugend zusammen. Leute sitzen im Kreis und geben sich, ausgehend von einem Punkt, in entgegengesetzte Richtungen einen Gegenstand weiter. „Das ist ein Südsibirischer Sumpfschnorcheltaucher“ (und keinesfalls ein Löffel). – „Ein waaas?“ Bis zum Ausgangspunkt musste zurückgefragt und immer neu geantwortet werden. Der andere Gegenstand war natürlich auch kein Löffel, sondern, naja... nicht ganz jugendfrei. Dieses Spiel hat keinen anderen Sinn als spätestens dann, wenn die beiden unaussprechlichen Gegenstände etwa in der Mitte des Stuhlkreises aufeinandertreffen, für völliges Chaos und Gelächter beim Fragen und Antworten zu sorgen. In der etwas einfacheren Variante sind die weitergereichten Gegenstände ein „Ping“ und ein „Pong“.

Bedauerlicherweise fiel mir genau das wieder ein, als ich Jahre später einmal das Abendmahl mitgefeiert habe. Als sich alle das Brot weitergegeben habe – feierlich natürlich, „Das Brot des Lebens für dich“ – dachte ich spontan „Das ist ein Ping...“ Vorbei war es mit der Ernsthaftigkeit und ich habe heftig die Lippen zusammengepresst, um mich nicht zu blamieren.

Eigentlich schade, dass in der Kirche so wenig gelacht wird. Und: Warum dann eigentlich nicht einfach loslachen? Schon klar, angesichts des heiligen Ernstes beim Abendmahl nennen Psychologen das eine „Übersprungshandlung“. Aber wenn dann doch das Lachen überspringt? Schließlich ist es eine Freude, gemeinsam mit anderen alles Schlechte vergeben zu bekommen und daran zu denken, was Christus für uns getan hat.

Einen südsibirischen Sumpfschnorcheltaucher gibt es natürlich nicht. Aber wer weiß, vielleicht wird der eines Tages ja noch entdeckt. Gott, unser Schöpfer, hat schließlich auch großen Humor.

Ihre Pastorin Birte Wielage (43)

Osterlachen

Gestern gab es keinen Text. Ihre Pastorin wurde von akutem Faulfieber übermannt. Darum hat sie, statt etwas zu schreiben, ihren eigenen Rat beherzigt, aus Ostern das Beste gemacht und den Tag lieber mit ihrer Freundin B. verbracht. Dazu noch ohne schlechtes Gewissen. Jetzt fragt sie sich, ob mit ihr etwas nicht stimmt. Noch dazu, wo sie gerade anfängt, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen. Das sind die schlechten Nachrichten, was diese kleine Reihe angeht.

Die gute Nachricht ist: Das macht nichts! Denn die Gelegenheit für österliche Gedanken ist nicht verpasst. Zwar sind die Feiertage vorbei, aber im Kirchenjahr sind wir jetzt ziemlich genau in der Mitte vom „Osterfestkreis“. Und mit Ostern hat die „österliche Freudenzeit“ gerade erst begonnen! Passt nicht ganz in die aktuelle Lage, aber gerade deswegen ist das doch eigentlich super.

Nun haben am Ostersonntag und am Ostermontag viele Gottesdienste stattgefunden. Katholische Priester haben Messen allein gefeiert, Gottesdienste wurden aufgezeichnet, Menschen haben auf Videoportalen gemeinsam gefeiert – ziemlich lustig, wenn alle gleichzeitig singen, aber keiner im Takt ist... Persönliche Begegnungen ersetzen konnte das alles nicht. Wenn der Brauch des Osterlachens gepflegt wurde, konnte auch niemand merken, ob tatsächlich gelacht wurde.

Das Osterlachen ist mir sympathisch. Nur zu diesem Anlass, einmal im Jahr, gehört das Lachen zur Liturgie dazu. Vermutlich seit dem Mittelalter war es in vielen Gegenden Brauch, dass der Pfarrer lustige Geschichten und später mindestens einen Witz erzählt hat, um die Gemeinde zum Lachen zu bringen, manchmal wurde sogar die Grenze zum Schlüpfrigen überschritten. Das alles dient dem Zweck, sich zu freuen an der verrückten Ostergeschichte, dass der Sohn Gottes gestorben war und auferstanden ist. Der Tod ist an Jesus gescheitert, hat seine Macht verloren und wird „lächer-lich“. Alles, was in der Passionszeit noch düster war, soll weggelacht werden.

Dieser Brauch war eine Zeitlang verschwunden. Ich persönlich freue mich, dass er wiederbelebt wird. Nächstes Jahr zu Ostern erzähle ich auf jeden Fall einen Witz -versprochen. Dieses Jahr behelfe ich mich mit der schriftlichen Form. Das kommt dem Witz bestimmt zugute, weil ich normalerweise jede Pointe versemmle.

Morgen geht es um ein lustiges Wort. Für heute folgt einer meiner Lieblingsosterwitze – in diesem Jahr hat die Wirklichkeit ihn sogar auf andere Weise eingeholt. Er geht so:

Die Mitglieder in Gemeindekirchenräten aus verschiedenen Gemeinden treffen sich. Sie unterhalten sich darüber, wer denn wohl den liberalsten Pastor in der Gemeinde hat.

Die erste sagt: "Unser Pastor bietet Tanzkurse um den Altar an!"

Der zweite meint: "Das ist doch gar nichts! Unsere Pastorin isst am Karfreitag vor der ganzen Gemeinde ein Steak!"

Der Dritte lächelt milde. "Vergesst es! Unser Pastor hängt an Ostern ein Schild an die Kirchentür: Wegen der Feiertage geschlossen!"

Leider kann ich jetzt nicht sehen, ob Sie darüber lachen können. Aber glauben Sie mir, meine Kolleg*innen und ich hätten zu Ostern liebend gerne mit Ihnen Gottesdienst gefeiert.

Ihre Pastorin Birte Wielage

Osterandachten
In Ihrer Andacht in der St. Elisabeth-Kirche bringt Pastorin Birte Wielage das Osterevangelium nach Jonannes zu Gehör und beseitigt dabei sichtbar alle Hindernisse. Musikalisch gestaltet wird dieser Beitrag durch die Musikerinnen Uta Rose und Mila Potiyenko und den Musiker Alexander Potiyenko.
Pastor Udo Dreyer hält seine Osterandacht in der Heilig-Geist-Kapelle in Wüsting und begleitet dabei die beiden Marias am Ostermorgen an das Grab Jesu. Diese Andacht beginnt mit einem österlichen Trompetensolo von Alexander Potiyenko vor der Kirche. Die Andachten finden Sie wieder auf unserem Youtube Kanal oder unter der Rubrik Aktuelle Angebote - Andachten - Ostern hier auf unserer Homepage.

Auch für die Kinder ist an diesem Osterfest gesorgt. Die 'Vier M's', Michael, Melanie, Malte und Oma Meyer machen sich auch zu Ostern auf den Weg in die Häuser Hudes. Die Geschichten sind wieder geschrieben, gemalt und eingespielt von Pastor Reiner Backenköhler.
Für die Kinder sind beim Martin-Luther-Gemeindehaus, Waldstraße 31, am Ostermorgen kleine Bilderbibeln zum Mitnehmen ausgehängt. Und wer als Spaziergänger an den Osterfeiertagen auf bunt bemalte Steine trifft mit dem Absender unserer Kirchengemeinde, der darf sie gerne als Ostergruß mit nach Hause nehmen.

Beginnen aber wird das Osterfest mit dem Entzünden der Osterkerze. Diesmal aber zu sehen auf unserem Youtube Kanal oder aber hier auf der Homepage. 

 

Stoff

Mit dem Karsamstag verhält es sich wie mit den drei Tagen zwischen Palmsonntag und Gründonnerstag. Episoden aus der Passionsgeschichte in den vier Evangelien lassen sich diesem Tag nicht zuordnen. Zwischen der Grablegung Jesu und seiner Auferstehung passiert scheinbar nichts. Nur bei Lukas wird erwähnt, dass die Sabbatruhe eingehalten wurde.

Nicht nur der Sabbat dürfte der Grund für die Ereignislosigkeit dieses Tages sein. Alles ist erlebt, erlitten, erduldet, gefürchtet, von allen Beteiligten. Jesus ist tot. Still muss es gewesen sein, nachdem der laute Todesschrei Jesu verhallt war.

In Erinnerung an diesen Tag bleibt mehr als das aufgerichtet Marterkreuz. Es bleiben weitere eindrückliche Zeichen dessen, was passiert ist. Sie sind aus Stoff.

Das erste ist der Vorhang des Tempels. Er zerriss im Augenblick des Todes „in zwei Stücke von oben an bis unten aus“. Der Vorhang trennte in Jerusalem den Tempelraum vom Allerheiligsten, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde. Durch das Zerreißen des Vorhangs eröffnet der Tod Jesu den Zugang zum Allerheiligsten, die Trennung ist aufgehoben. Was mag mit diesen beiden großen Stücken aus kostbarem Stoff passiert sein? Sie wurden sicher nicht einfach liegen gelassen. Aber ob es bei der aufgehobenen Trennung und dem neuen Zugang geblieben ist, wird nicht berichtet.

Das zweite Zeichen aus Stoff ist das Leinentuch, in das der Leichnam Jesu gewickelt wurde. Nachdem es auf dem Weg zum Kreuz, am und unter dem Kreuz nur Qual und Schmerzen gab, lesen wir endlich von Zuwendung. Es ist ein Mann, Josef aus Arimathäa, der dafür sorgt, dass Jesus nach seinem entwürdigenden Tod wenigstens ein würdiges Begräbnis erhält (Markus 15,42-47). Dieser Mann bittet Pilatus um den Leichnam – ein fast schon behördlicher Vorgang – nimmt den Toten vom Kreuz, wickelt ihn in ein Leinentuch und legt ihn in ein Felsengrab. Josef muss Jesus nahe gestanden haben. Die selbstgewählte Aufgabe war schwer, in jeder Hinsicht. Diese Schwere lässt seine Hingabe erkennen. Er kann Jesus kaum anders als liebevoll in das Tuch gewickelt haben.

Der Stoff, aus dem die Tränen sind, ist Wasser, vermischt mit Salz. Tränen, die Petrus geweint hat, nachdem er Jesus verleugnet hat (Markus 14,66-72). Es waren wohl Tränen von der Art, die man nicht gleich wegwischt, sondern die aus Kraftlosigkeit und Verzweiflung auf den Wangen trocknen. Ebenso die Tränen, die von den Jüngern geweint wurden, als mit dem Tod ihres Freundes Jesus auch die Hoffnung auf bessere Zeiten gestorben war.

Wir wissen, dass diese Zeiten kommen werden.

Wir wissen um die Auferstehung.

Wir erwarten den Aufgang der Sonne am Ostermorgen.

Pastorin Birte Wielage

P.S. zum Herzklopfen – Ein Beispiel  (Für B.)

Also manchmal... Manchmal passieren Dinge, bei denen ich kaum an Zufall glauben kann. Nur einen Tag, nachdem der Text über das Herzklopfen geschrieben war, habe ich aus zufälligem Anlass eine alte CD gehört: „...But Seriously“ von Phil Collins aus dem Jahr 1989. Und dann, nach langer entdeckungsloser Zeit die Feststellung: Mit Track 12 funktioniert es! Der Titel „Find A Way to My Heart“ lässt sich so hören, als ob Gott zu uns spricht.

Der Text des werbenden Liebesliedes bleibt angenehm diffus: Geht es um erste Verliebtheit? Wurde das Ich verlassen, hat aber noch Hoffnung? Oder wendet es sich ab, weil „go“ nicht losgehen, sondern weggehen bedeuten soll?

Es kann vorausgesetzt werden, dass Collins nicht aus der Perspektive Gottes geschrieben hat. Diese Gedanken sind meine Einträge in den Text. Aber bei dieser Entdeckung hat mein Herz doch tatsächlich ein bisschen schneller geschlagen.

Wenn Sie Lust haben, dann machen Sie es doch so: Klicken Sie den Clip an. Es dauert etwas, bis es losgeht, weil das Intro so lang ist (bei 0:40 setzt der Synthesizer ein, bei 0:54 der Gesang). Dann lesen Sie mit: die jeweils erste Zeile ist der Text, die zweite eine freie Übersetzung von mir und, wenn vorhanden, die dritte mein Kommentar oder ein Bibelvers dazu.

Vielleicht finden Sie dieses kleine Experiment ja plausibel. Machen Sie sich also zu Ostern auf Gottsuche 🙂

Ihre Pastorin Birte Wielage

Find a way to my heart, Phil Collins, 1989 

Find a way to my heart, and I will always be with you

Finde einen Weg zu meinem Herzen, und ich werde immer bei dir sein.

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. (Jeremia 29,14)

from wherever you are, I’ll be waiting

Ganz egal wo du bist, ich werde warten.

I’ll keep a place in my heart, you will see it shining through

Ich halte dir einen Platz in meinem Herzen frei, du wirst ihn leuchten sehen.

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. (Jesaja 9,1)

so find a way to my heart, and I will, I will follow you

Finde also einen Weg zu meinem Herzen, und ich, ich werde dir folgen.

Meistens wird gesagt, dass wir Gott folgen sollen. Hier ist es umgekehrt (s.u.).

This journey’s not easy for you, I know

Diese Reise ist nicht einfach für dich, ich weiß.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. (Psalm 139,3)

if your footsteps get too faint to hear, I’ll go

Wenn deine Schritte zu schwach zu hören sind, werde ich losgehen,

Gott geht uns nach wie der Hirte seinem verlorenen hundertsten Schaf (Lukas 15,3-7).

cos you now, questions are never that easy

denn du weißt, Fragen sind niemals so einfach

and never the same

und niemals die gleichen.

you have the answer believe me

Du hast die Antwort, glaub mir,

if you have the faith.

wenn du an mich glaubst.

Ja, ja, das war geschummelt, es muss heißen: wenn du daran glaubst oder wenn du Glauben hast

Refrain Find a way to my heart …..

Time may come, and time may go, I know

Zeit mag kommen, und Zeit mag vergehen, ich weiß.

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. (Prediger 3,1)

If you should call out for me, I’ll go

Wenn du nach mir rufen solltest, werde ich losgehen.

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten. (Psalm 50,15)

but you know, there is a code to be broken

Aber du weißt, es gibt einen Code, der geknackt werden muss,

Hat auch keiner behauptet, dass der Glaube an Gott einfach ist...

I wrap it around

in den habe ich es eingehüllt;

without a word being spoken

ohne ein gesprochenes Wort,

without a sound.

ohne einen Laut.

Nichts sagen müssen ist auch beten. Der Code kann ohne Worte geknackt werden.

There’s a reason I hide my heart

Es gibt einen Grund dafür, dass ich mein Herz verstecke

Niemand hat Gott je gesehen. (Johannes 1,18)

out of sight, out of mind

außer Sichtweite, aus dem Sinn

and when I find out just who you are

und wenn ich herausfinde, wer du bist,

Hier funktioniert es definitiv nicht: der Schöpfer muss nicht erst herausfinden, wer wir sind, sondern kennt uns besser als wir uns selbst kennen

the door will be open for you to…

dann wird die Tür für dich offen stehen.

Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (Matthäus 7,8)

Refrain Find a way to my heart …..

Text aus dem Booklet der CD © 1989 WEA International Inc.


 

Schwamm

Karfreitag. Der Tag, an dem Jesus gestorben ist, stirbt, im Gedächtnis der Christenheit Jahr für Jahr wieder. Die wichtigsten Dinge müssen in der Erinnerung wiederholt werden, damit sie nicht vergessen werden.

Ein unscheinbarer Gegenstand wird zum Symbol für die unermesslichen Qualen, die Christus erlitten hat: ein Schwamm.

Markus (15,22-37) und Matthäus (27,45-50) erzählen die letzten Augenblicke des Lebens Jesu, sie erzählen seinen Tod. Menschen stehen unter dem Kreuz. Es bleibt ungewiss, ob es Soldaten sind oder Juden. Anders als in den Berichten von Lukas und Johannes gibt es keine Menschen, die ihm am Kreuz zur Seite stehen würden. Jesus ist allein, ruft sogar zu seinem Vater: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Einer nimmt einen Schwamm. Er steckt ihn auf ein Rohr, weil das Kreuz so hoch aufgerichtet ist. Der Schwamm ist mit Essig getränkt.

Lange dachte ich, dass diese Tat das einzig Milde ist, das im Leiden erkennbar wird: saurer Essig als Linderung gegen den Durst, ähnlich der Zitrone, die zur Erfrischung in Wasser gegeben wird. Aber so ist es nicht. Der Essig bereitet neue Qualen. Was Jesus ruft, wird mit Absicht missverstanden. Sein Leben und damit seine Qual soll mit dem Essig kurzfristig verlängert werden, damit – wie boshaft – der angeblich herbeigerufene Prophet Zeit genug hat, um tatsächlich zu erscheinen. Die Verspottung setzt sich fort noch am Kreuz.

Im Bericht des Johannes (19,28-30) kommt zu den Schmerzen auch noch Durst. Jesus selbst äußert den Wunsch, etwas zu trinken. „Mich dürstet“, sagt Jesus. Einer reicht ihm den Schwamm und hält ihn an seinen Mund. Auch hier: keine Linderung. Wir sehen nur deutlicher die Menschlichkeit Jesu vor Augen. Er leidet wie alle am Kreuz Gefolterten. Nur Johannes berichtet, dass Jesus auch trinkt. Der Schwamm wird zu dem bitteren Kelch, den ihm der Vater gibt (Joh 18,11).

Sogar etwas Banales wie ein Schwamm ist in seiner ganzen Willenlosigkeit und Objekthaftigkeit auf der Seite der Gegner. Kein Trost, nirgends.

Jesus ist tot. Mehr ist für heute nicht zu sagen.

Pastorin Birte Wielage