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Ermutigende Gegensätze – Freitag, 3. April 2020

Freitag, 3. April 2020

Angst und Mut 

Neulich hat mir jemand begeistert vorgeschlagen: „Du könntest doch auch schreiben, wie aus Angst Mut wird!“ Oh, super Idee, dachte ich, und habe nachgedacht. Leider bin ich zu dem Ergebnis gekommen: Das weiß ich nicht.

Wovon ich aber überzeugt bin, ist dies: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7) – ein Satz, der gerade vielen Menschen Mut macht.

Dabei ist Angst ja gar nicht per se etwas Schlechtes. Angst lässt uns Gefahr wittern. Sie sorgt dafür, dass wir in bedrohlichen Situationen körperliche Signale aussenden, die andere zum Helfen animieren – am leichtesten erkennbar in der Mimik. Angst schützt auch vor Leichtsinn.

Genau diese Beobachtung hat zu Beginn der Coronakrise zu Rätselraten geführt. Wie kann es sein, dass sich die einen Menschen noch vor allen Ausgangsbeschränkungen kaum noch aus dem Haus trauen, während sich die anderen trotz aller Warnungen vor Ansteckung noch verhalten als wäre nichts passiert? Das liegt wohl daran, dass die Gefahr zunächst noch wenig sichtbar war: weit weg, undramatisch, kaum jemand kannte Infizierte persönlich. Das hat sich langsam geändert. Die unterschiedlichen Reaktionen liegen natürlich auch daran, dass wir (fünf Euro ins Phrasenschwein) alle verschieden sind.

Im Augenblick dürfte Existenzangst für viele Menschen realer sein als Todesangst. So etwas wie gesellschaftliche oder kollektive Todesangst führt – mit dem Geist der Besonnenheit – zu  den sinnvollen Schutzmaßnahmen, durch die möglichst wenige Individuen der einzelnen Staaten und letztlich der großen Weltgemeinschaft krank werden und sterben sollen.

An einer Angststörung erkrankt zu sein, muss sehr leidvoll sein. Körper und Geist reagieren rational betrachtet übertrieben, weil es die empfundene Bedrohung gar nicht gibt. Besonders bei sozialen Phobien kann das die Teilnahme am sozialen Leben unmöglich machen.

Es wäre so schön, wenn sich „Störung“ in diesem Wort nicht auf den erkrankten Menschen bezöge, sondern auf die Angst selbst. Mit dieser neuartigen Angststörung würde die Angst aufgestört, an ihrem zerstörerischen Wirken gehindert und verjagt.

Solche Art „Angststörer“ in unserem Alltag können sein: Tröstende Worte. Das Lämpchen im Kinderzimmer. Menschen, die wichtiger sind als alles Geld der Welt. Der alte Teddybär. Fenchelhonig, der nach früher schmeckt. Hausaufgabe: Finden Sie mit dem Geist der Liebe Ihre eigenen fünf Angststörer.

Vielleicht haben Sie dann auch noch eine Idee, wie aus Angst Mut wird? Anregungen nehme ich gerne entgegen unter [meinVorname].[meinNachname]@kirche-oldenburg.de

Furchtlos grüßt Ihre Pastorin Birte Wielage