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Schöne Wörter – Freitag, 27. März 2020

Gelassenheit

Es ist alles so ruhig. Auf den Straßen ist viel weniger Verkehr. Der Lärm der vorbeifahrenden Autos ist fast verschwunden. Bisher ist mir auch nie aufgefallen, dass es im Supermarkt laut ist. Aber jetzt ist es selbst da irgendwie still. Aus den Lautsprechern kommt weiterhin Musik, aber das ist schon alles. Und wenn ich es eilig habe, dann poltere ich normalerweise durchs Haus. Jetzt ist auch nichts eilig. Draußen und innerlich sind die Lautstärkeregler herunter gedreht.

Für alle, die kleine Kinder haben, ist das Leben wahrscheinlich lauter geworden. Die ganze Energie der Kurzen muss sich ja irgendwie entladen. Wie gut wäre es, wenn alle Familien wenigstens einen Garten hätten! Dafür erholen sich jetzt hoffentlich die Ohren von Erzieherinnen. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie sie es in den Kitas eigentlich stundenlang ohne Gehörschutz aushalten.

Abgesehen von den Berufsgruppen, die gerade unter besonderer Anspannung stehen, macht sich nach meinem Eindruck bei den Menschen gerade so etwas wie innere Ruhe breit. Zu innerer Ruhe kann man auch „Gelassenheit“ sagen – das schöne Wort für Tag fünf.

Diese Wahl soll Sorgen nicht leichtfertig beiseite schieben. Die finanziellen Engpässe haben ein ungekanntes Ausmaß. Die geschnürten Hilfspakete aber auch. Nicht umsonst gibt es in vielen Landstrichen Redewendungen, die Gelassenheit hervorheben. Der Kölner sagt: „Et hätt noch immer jot jejange“, also „es ist noch immer gut gegangen“ in der Bedeutung von „immer mit der Ruhe“. Das kann sogar funktionieren, wenn die Ruhe so wie jetzt gewissermaßen verordnet ist. Wenig anders ist der plattdeutsche Ausspruch: „Wat mutt, dat mutt“. Es ist eben nicht zu ändern.

In christlichen Texten bedeutet Gelassenheit „Gottergebenheit“ – vor meiner kleinen Recherche wusste ich das gar nicht. Ergeben sein schreit normalerweise nach Aufstand. Aber in diesem Fall ist es genau so. Gelassenheit lässt uns vertrauensvoll alles in Gottes Hand legen. Dann können wir in unseren Häusern vielleicht sogar sagen: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ (Psalm 4,9)

Gelassenheit und keine Sorgen wünscht

Ihre gelassene Pastorin Birte Wielage