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Tägliche Impulse – Dienstag, 14. April 2020

Osterlachen

Gestern gab es keinen Text. Ihre Pastorin wurde von akutem Faulfieber übermannt. Darum hat sie, statt etwas zu schreiben, ihren eigenen Rat beherzigt, aus Ostern das Beste gemacht und den Tag lieber mit ihrer Freundin B. verbracht. Dazu noch ohne schlechtes Gewissen. Jetzt fragt sie sich, ob mit ihr etwas nicht stimmt. Noch dazu, wo sie gerade anfängt, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen. Das sind die schlechten Nachrichten, was diese kleine Reihe angeht.

Die gute Nachricht ist: Das macht nichts! Denn die Gelegenheit für österliche Gedanken ist nicht verpasst. Zwar sind die Feiertage vorbei, aber im Kirchenjahr sind wir jetzt ziemlich genau in der Mitte vom „Osterfestkreis“. Und mit Ostern hat die „österliche Freudenzeit“ gerade erst begonnen! Passt nicht ganz in die aktuelle Lage, aber gerade deswegen ist das doch eigentlich super.

Nun haben am Ostersonntag und am Ostermontag viele Gottesdienste stattgefunden. Katholische Priester haben Messen allein gefeiert, Gottesdienste wurden aufgezeichnet, Menschen haben auf Videoportalen gemeinsam gefeiert – ziemlich lustig, wenn alle gleichzeitig singen, aber keiner im Takt ist... Persönliche Begegnungen ersetzen konnte das alles nicht. Wenn der Brauch des Osterlachens gepflegt wurde, konnte auch niemand merken, ob tatsächlich gelacht wurde.

Das Osterlachen ist mir sympathisch. Nur zu diesem Anlass, einmal im Jahr, gehört das Lachen zur Liturgie dazu. Vermutlich seit dem Mittelalter war es in vielen Gegenden Brauch, dass der Pfarrer lustige Geschichten und später mindestens einen Witz erzählt hat, um die Gemeinde zum Lachen zu bringen, manchmal wurde sogar die Grenze zum Schlüpfrigen überschritten. Das alles dient dem Zweck, sich zu freuen an der verrückten Ostergeschichte, dass der Sohn Gottes gestorben war und auferstanden ist. Der Tod ist an Jesus gescheitert, hat seine Macht verloren und wird „lächer-lich“. Alles, was in der Passionszeit noch düster war, soll weggelacht werden.

Dieser Brauch war eine Zeitlang verschwunden. Ich persönlich freue mich, dass er wiederbelebt wird. Nächstes Jahr zu Ostern erzähle ich auf jeden Fall einen Witz -versprochen. Dieses Jahr behelfe ich mich mit der schriftlichen Form. Das kommt dem Witz bestimmt zugute, weil ich normalerweise jede Pointe versemmle.

Morgen geht es um ein lustiges Wort. Für heute folgt einer meiner Lieblingsosterwitze – in diesem Jahr hat die Wirklichkeit ihn sogar auf andere Weise eingeholt. Er geht so:

Die Mitglieder in Gemeindekirchenräten aus verschiedenen Gemeinden treffen sich. Sie unterhalten sich darüber, wer denn wohl den liberalsten Pastor in der Gemeinde hat.

Die erste sagt: "Unser Pastor bietet Tanzkurse um den Altar an!"

Der zweite meint: "Das ist doch gar nichts! Unsere Pastorin isst am Karfreitag vor der ganzen Gemeinde ein Steak!"

Der Dritte lächelt milde. "Vergesst es! Unser Pastor hängt an Ostern ein Schild an die Kirchentür: Wegen der Feiertage geschlossen!"

Leider kann ich jetzt nicht sehen, ob Sie darüber lachen können. Aber glauben Sie mir, meine Kolleg*innen und ich hätten zu Ostern liebend gerne mit Ihnen Gottesdienst gefeiert.

Ihre Pastorin Birte Wielage