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Tägliche Impulse – Gründonnerstag, 09. April 2020

Füße

Gutscheine gelten landläufig als etwas einfallslose Geschenke. Da muss man aber unbedingt gut unterscheiden. Manchmal bringen sie die Beschenkten auch auf gute Ideen. So ging es einmal mir, als Freunde mir etwas Gutes tun wollten mit einem Gut-Schein für etwas, worauf ich von alleine nicht kommen würde. Ich bekam: einen Gutschein zur Einlösung in einem kleinen Kosmetikinstitut. Nun hab ich’s nicht so mit Kosmetik. Die Freunde haben sich beeilt zu ergänzen, dass es da ganz tolle Massagen gibt. Mir wurden dann zweimal meine Füße massiert – und es war herrlich! Ich fand es total faszinierend, wie sich der ganze Körper entspannt, wenn die Füße freundlich behandelt werden.

„Was trägt dich im Leben?“ Wer über die Antwort „Meine Füße!“ lacht, tut eigentlich seinen eigenen Füßen unrecht. Denn was haben wir zusammen nicht schon alles erlebt! Unsere Füße haben uns vom Boden abgestoßen, wenn wir als Kinder gehüpft sind. Gleichzeitig sorgen sie für Bodenhaftung. Mit ihnen wackeln wir von einem Bein auf das andere, wenn wir ungeduldig warten. Füße können Tore schießen und zum Werkzeug der Wut werden, wenn wir sie zwingen, gegen etwas zu treten. Als wäre das nicht genug, stehen wir zusätzlich auch noch im übertragenen Sinne auf den eigenen Füßen  und kommen immer so weit, wie unsere Füße tragen.

Inzwischen hat man herausgefunden, dass die Ohren der Menschen so individuell verschieden sind wie seine Fingerabdrücke. So eindeutig zuzuordnen sind Füße nicht. Aber sie bekommen durch Länge, Form und Anordnung der Zehen einen eigenen Charakter, riechen unterschiedlich gut und sehen unterschiedlich geschunden aus. Damit haben sie fast soviel zu erzählen wie die Falten, die ein Gesicht auszeichnen.

Mit diesen einleitenden Gedanken soll verständlicher werden, eine wie großartige Geste es war, als Jesus seinen Freunden selbst die Füße gewaschen hat. Das war am Vorabend seines Todes. Nur Johannes berichtet davon (Johannes 13,1-20). In dieser Geste steckt noch viel mehr als die Demut, mit der Jesus selbst sich herunterbeugt und sich den staubigen Füßen widmet. Das allein ist so groß, dass Petrus ganz verlegen wird und das Geschenk zunächst nicht annehmen möchte. Jesus muss auch gespürt haben, wie wichtig es ist, dass die Füße der Jünger sie weiter tragen können, auch wenn er nicht mehr da ist. Er hat jedem einzelnen von ihnen, auch dem Verräter, gegeben, was er selbst für seinen Weg zum Kreuz hätte brauchen können.

Ihre Pastorin Birte Wielage