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Tägliche Impulse – Mittwoch, 15. April 2020

Südsibirischer Sumpfschnorcheltaucher 

Können Sie sich an Situationen erinnern, in denen Sie einfach nicht mehr aufhören konnten zu lachen? Lachkrampf oder Lachanfall hieß das in meiner Jugend, heute ist es der Lachflash. Irgendetwas nicht einmal besonders Lustiges löst einen Lachreiz aus, steckt andere an, lässt Lachtränen fließen und weitere Anwesende ein verständnisloses Gesicht machen. Es gilt als ausgemacht, dass vor allem pubertierende Mädchen zum Lachflash fähig sind. Gemeint ist dann, wie unangemessen das ist, weil es nicht in die Situation passt. Ich finde das unfair: Erstens den Mädchen gegenüber, weil sie ja nichts dafür können. Zweitens den Jungs gegenüber, weil die genauso lachen können. Es gibt wirklich kaum etwas Schöneres als Jugendliche zu sehen, die sich ausschütten vor Lachen – auch, wenn gerade Konfirmandenunterricht ist. Schließlich ist das auch allen anderen gegenüber unfair, die sich genauso unmotiviert kaputtlachen können.

Eine meiner Erinnerungen an gemeinsames Lachen hängt mit einem Spiel aus meiner Jugend zusammen. Leute sitzen im Kreis und geben sich, ausgehend von einem Punkt, in entgegengesetzte Richtungen einen Gegenstand weiter. „Das ist ein Südsibirischer Sumpfschnorcheltaucher“ (und keinesfalls ein Löffel). – „Ein waaas?“ Bis zum Ausgangspunkt musste zurückgefragt und immer neu geantwortet werden. Der andere Gegenstand war natürlich auch kein Löffel, sondern, naja... nicht ganz jugendfrei. Dieses Spiel hat keinen anderen Sinn als spätestens dann, wenn die beiden unaussprechlichen Gegenstände etwa in der Mitte des Stuhlkreises aufeinandertreffen, für völliges Chaos und Gelächter beim Fragen und Antworten zu sorgen. In der etwas einfacheren Variante sind die weitergereichten Gegenstände ein „Ping“ und ein „Pong“.

Bedauerlicherweise fiel mir genau das wieder ein, als ich Jahre später einmal das Abendmahl mitgefeiert habe. Als sich alle das Brot weitergegeben habe – feierlich natürlich, „Das Brot des Lebens für dich“ – dachte ich spontan „Das ist ein Ping...“ Vorbei war es mit der Ernsthaftigkeit und ich habe heftig die Lippen zusammengepresst, um mich nicht zu blamieren.

Eigentlich schade, dass in der Kirche so wenig gelacht wird. Und: Warum dann eigentlich nicht einfach loslachen? Schon klar, angesichts des heiligen Ernstes beim Abendmahl nennen Psychologen das eine „Übersprungshandlung“. Aber wenn dann doch das Lachen überspringt? Schließlich ist es eine Freude, gemeinsam mit anderen alles Schlechte vergeben zu bekommen und daran zu denken, was Christus für uns getan hat.

Einen südsibirischen Sumpfschnorcheltaucher gibt es natürlich nicht. Aber wer weiß, vielleicht wird der eines Tages ja noch entdeckt. Gott, unser Schöpfer, hat schließlich auch großen Humor.

Ihre Pastorin Birte Wielage (43)