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Tägliche Impulse – Mittwoch, 22. April 2020

Mittwoch, 22. April 2020 

Sorgen werfen 

Die Pflicht hat gerufen, und ich habe ihr geantwortet. Darunter hat nun die Vollständigkeit dieser kleinen Wochenbeiträge gelitten. Denn eigentlich sollen hier auch weiterhin von montags bis samstags kleine Texte stehen. Im Alltag, der sich wohl nach wie vor bei allen gerade ständig verändert, war das nun nicht umzusetzen – aber ich bleibe dran, versprochen!

Die Idee für diese angeknabberte Woche ist nun, kurze Bibelverse zu präsentieren, die eine gute Idee enthalten. Eine Idee gilt  dann als gut, wenn sie uns selbst entlastet oder uns zu etwas ermutigt oder auf einen neuen Gedanken bringt. So ungefähr.

Idee Nr. 1: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) Diese Idee finde ich doppelt gut, weil sie auch gleich begründet wird. Außerdem kann man sich die Umsetzung so schön bildlich vorstellen. Bei der Umsetzung kommt es – wie immer bei Ideen – auf’s Ausprobieren an.

Was mich angeht, könnte Sorgenwerfen gerne zu einer sportlichen Lebensdisziplin werden. Denn irgendwie besteht doch das ganze Leben aus einem ganzen Reigen an Tätigkeiten, die große Ähnlichkeit haben mit den Disziplinen bei Olympischen Spielen. Mit unserer Geburt hat Gott unser Olympisches Lebensfeuer entzündet, das vom ersten Tag unseres Lebens empfindlich ist und ausgehen kann. Er allein weiß, wann. Wir kommen auf die Füße und laufen unseren Lebensmarathon, bei dem es auch auf die Einteilung der Kräfte ankommt. Im besten Fall war unsere Familie dafür das Trainingslager, und unsere Eltern haben – ganz ohne Trainerlizenz – für bestmögliche Vorbereitung gesorgt. Auf diesem Weg treffen wir auf die verschiedensten Menschen, die sich auch alle sportlich, eben lebendig, betätigen. Wir absolvieren Schwimmstrecken, bei denen es auf mehr ankommt, als nur den Kopf über Wasser zu halten. Schon die Schulzeit kann ein Hürdenlauf sein, im Berufsleben wird er hin und wieder zum Hindernislauf. So sehr wir auf unsere Gesundheit achten, sind wir doch nie vor Verletzungen sicher. Im Mannschaftssport „eigene Familie“ strecken wir uns wie beim Hochsprung. Und manchmal braucht es eben die kurzen Kraftanstrengungen, weniger die Ausdauer, wie beim Werfen mit Diskus oder Hammer. Da kann einem ganz schwindlig werden!

Diesen Wurfdisziplinen möchte ich nun das Sorgenwerfen hinzufügen. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie Gummistiefelweitwurf. Denn Sorgen können so unförmig sein, und wenn man seine Nase zu nah dran hält, dann müffelt es irgendwie. Nun müssten normalerweise die Sorgen möglichst weit geworfen werden, würden aufplumpsen, ein kleiner Krater im Rasen entsteht, und dann misst jemand, lässt aber das Wurfobjekt liegen. Das Tolle an dieser biblischen Disziplin ist: Die Entfernung ist ganz egal. Es kommt nicht auf trainierte Arme an. Sondern wie schwer und unförmig die Sorgen auch sind, es können alle auf einmal geworfen werden. Dann steht einer da, der keinen Wettbewerb draus macht und nichts misst, sondern alles auffängt. Was da in seinen eigenen starken Armen landet, ignoriert er nicht, sondern hält es fest und kümmert sich darum. Denn Gott sorgt ja für uns. Allein die Vorstellung, dass wir unsere schweren, unförmigen, verstaubten und stinkenden Sorgenstiefel nicht im Keller oder auf dem Dachboden unserer Lebensbehausung herumstehen lassen müssen, finde ich total beruhigend. Bei niemandem sonst als Gott sind sie gut aufgehoben. Ich hole schon mal aus...

Ihre Pastorin Birte Wielage