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Tägliche Impulse, Samstag, 09. Mai 2020

Bunt

In meiner Jugend hat eine Deutsche Schnellrestaurantkette mit dem Slogan geworben: „Bunt ist unsere Lieblingsfarbe. Lecker unser Essen.“ Am zweiten Teil hatte ich durchaus Zweifel, auch wenn mir die Kette als Familienunternehmen mit Sitz im Emsland deutlich sympathischer ist als die ganz Großen. Aber ich dachte so in etwa: „Stimmt! Bunt ist eigentlich auch ne Farbe.“ Nur selten kann man das ehrlicherweise von Werbung behaupten, weil sie meistens nervt oder einen gar nicht anspricht und Schlimmeres. Aber die gefällt mir bis heute.

Jetzt ist Bunt gleichzeitig alles und nichts. Den Regenbogen bei was auch immer abbilden, bedeutet vielleicht, sich nicht festlegen können. Oder: Ist Bunt nicht irgendwie unersättlich? Weil es aussagt: „Ich will alles!“? Diese Art von Küchenpsychologie möchte ich allerdings nur pflichtschuldig streifen. Damit nicht der Eindruck hängen bleibt, als würde ich vollkommen einseitig und unreflektiert so gerne bunt mögen.

Dabei ist es so. Ich kann sagen: Bunt macht mir Freude. Ich fand es toll, dass in den Neunzigern der Wolfsburger Autokonzern auf die Idee gekommen ist, einen bunten Polo (Modell „Harlekin“) auf den Markt zu bringen. Ich frage mich bis heute, warum Küchengeräte dauerhaft die „weiße Ware“ sind und man sich nicht schon lange ganz selbstverständlich für gelbe Waschmaschinen und grüne Trockner entscheiden kann. Selbst habe ich keinen – viel zu oft beißt sich bei mir Bunt mit vermeintlichem „Seriös“ – aber wenn ich bei Schietwetter regenbogenfarbige Regenschirme sehe, finde ich es gleich weniger nass draußen. Auch Eis schmeckt echt noch besser, wenn bunte Streusel drauf sind!

In allem, was bunt ist, liegt Fröhlichkeit. Außerdem ist Bunt ein Statement. So wie es eine Aussage sein kann, wenn jemand nicht aus Trauer, sondern aus tiefer Überzeugung Schwarz trägt. So hat es Countrylegende Johnny Cash gemacht (1932-2003), der seit Anfang der 70er Jahre nur noch Schwarz trug und seine Haltung im Song „Man in Black“ plausibel gemacht hat.

Zum Thema „Bunt“ gibt wieder keine Aussage in der Bibel, die weiterhilft. Wieder fällt mir aus christlicher Perspektive dazu nicht mehr als der Verweis auf Gott, unseren Schöpfer. Dabei liegt im Farbenfrohen soviel Gutes. Wenn wir wahrnehmen, wie bunt die Welt ist und mindestens einer Person von unserer Freude darüber erzählen; wenn wir gemalte Regenbögen in die Fenster hängen; wenn wir uns hin und wieder trauen, als Paradiesvogel in Erscheinung zu treten: Dann sind Lebensfreude, Fröhlichkeit und Hoffnung hoffentlich ansteckend für alle, deren Gedanken grau und deren Gefühle traurigblau sind.

Ihre Pastorin Birte Wielage