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Tägliche Impusle – Freitag, 1. Mai 2020

Gott macht Pause

Es läuft doch Vieles auf den Anfang hinaus. Wenn wir uns in einer Sache unsicher sind, dann hilft manchmal der Blick darauf, wie alles begann. Gab es vielleicht schon ganz früh so ein komisches Bauchgefühl? Manchmal kann das auch rückblickend noch ein Wegweiser sein. Oder ist umgekehrt etwas in eine Schieflage geraten, obwohl alles gut begonnen hat? Dann ist Aufgeben vielleicht gar nicht nötig.

Unser Blick fällt heute noch einmal auf die Geschichte, mit der alles begann. Dieses Mal ist es weniger eine Geste, sondern eine Grundeinstellung. Es geht um die Grundeinstellung Gottes zu dem, was er selbst im größten denkbaren Akt an Kreativität getan hat

In der ersten Geschichte der Bibel wird berichtet, dass Gott in nur sechs Tagen die ganze Welt erschaffen hat. Dieser Schöpfungsbericht steht noch nicht einmal im Widerspruch zu den Naturwissenschaften. Er bringt aus der Sicht des Glaubens alles nur anders auf den Punkt. Ich will auf den siebten Tag hinaus: „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.“ (1. Mose 2,2). Gott macht Pause. Sollte ihm etwa die Puste ausgegangen sein? Ihm, der vermutlich auch einfach drei Welten oder hundert hätte erschaffen können, wenn ihm danach gewesen wäre? Nein, er hält Maß. Er scheint eigene Grenzen zu kennen. Das Ausruhen ist ihm so wichtig, dass er diesen Ruhetag sogar segnet und heiligt.

Dieser Tag ist ihm so heilig, dass er ihn auch den Menschen zugesteht, sogar gebietet! Das dritte Gebot wird mit dieser Pause begründet: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun [...] Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage.“ (2. Mose 20,8-11) Gott ruht nicht nur aus, er lässt auch ausruhen.

Nun ist im Augenblick so Vieles unfreiwillig zur Ruhe gekommen. Für Manche ist der verordnete Stillstand bedrohlich, weil mit dem Gehalt die Lebensgrundlage wegbricht. Dennoch glaube ich, dass auch jetzt, wie sonst auch, die Pause ein Dienst der Liebe ist. Pause machen bedeutet Selbstachtung und das Eingeständnis, nicht ununterbrochen funktionieren zu können. Ein Tag in der Woche soll erkennbar anders sein als die anderen sechs. Ich mache Pause von mir selbst und meinem Handeln. Damit gönne ich auch den Anderen eine Pause von meiner Aktivität. Das ist auch jetzt ein guter Rat.

Normalerweise ist es das Wesen der Pause, dass sie unauffällig ist – wenn sie denn mit Nichtstun gefüllt ist. Aber wie so oft ist im Unauffälligen etwas Großes verborgen. In diesem Fall die Achtung vor mir selbst und den Menschen um mich herum.

Einen schönen 1. Mai wünscht Ihre Pastorin Birte Wielage