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Online Andacht zum 15. März 2020

Moin!

Das Bedauern darüber, dass Gottesdienste ausfallen müssen, ist groß. Uns Pastorinnen und Pastoren fällt es schwer, darauf zu verzichten, von Gott und von Jesus zu erzählen. Darum soll es nicht bei einem Verzicht bleiben. Nur anders ist es jetzt. Nicht persönlich und mündlich in der Kirche, sondern schriftlich zum Lesen auf der Homepage. Herzlich willkommen zur ersten Huder Online-Andacht!

Was folgt, sind Gedanken zum Predigttext für diesen Sonntag.

Der Text hat in der Lutherbibel die Überschrift „Vom Ernst der Nachfolge“. Wäre diesen Sonntag „Vom Ernst der Lage“ vielleicht passender? Mal sehen. Der Text steht im Neuen Testament, im Lukasevangelium, 9. Kapitel, die Verse 57-62.

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem Andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Tut mir Leid. Ich hab‘s versucht. Aber ich schaffe es einfach nicht, diese Worte zu lesen, ohne alles auf die gegenwärtige Situation zu beziehen und auf die Maßnahmen, zu denen wir aus Rücksicht auf mögliche Ansteckung mit dem Corona-Virus aufgerufen sind.

Jesus stellt fest, dass er es nicht einmal so gut hat wie die Tiere. Er ist obdachlos. Bei uns scheint es umgekehrt zu sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, der bleibt zu Hause. Wir haben diesen Rückzugsort, Jesus nicht. Die Frage stellt sich: Wohin kann ich noch gehen? Wohin, ohne andere und mich selbst zu gefährden? Bei Jesus herrscht gerade Aufbruchstimmung. Bei uns herrscht Rückzugsstimmung.

Drei Menschen wollen mit Jesus mitgehen. Zwei von sich aus, der zweite wird von Jesus angesprochen. Das wirkt so fremd. Aber jeder, der einen Account hat bei Facebook oder Instagram, ist wahrscheinlich selbst längst zum „Follower“ geworden. Wir folgen Menschen, Freunden und Promis, und nehmen an ihrem Leben teil. „Follower“ sein klingt bloß irgendwie besser als „Nachfolge“. Und ist zugegeben nicht so radikal.

Diese Radikalität ist es, die einen geradezu ärgern kann. Aber wie es aussieht, ist das manchmal nötig. Jesus bricht mit der Tradition. Sogar die oberste Pflicht, für ein würdiges Begräbnis zu sorgen, soll verletzt werden. (So weit sind wir in der Kirche nicht! Beerdigungen finden statt!) Dem Ersten sagt er, dass er das Zuhause als Ort der Geborgenheit aufgeben soll. Der dritte schließlich soll sich nicht noch einmal umdrehen.

Das mit dem Pflug geht ja noch. Wer auf dem Acker beim Pflügen nach hinten sieht, kann nicht richtig geradeaus laufen. Die Furchen werden krumm. Dieses letzte ist ermutigend: Trau dich, nach vorne zu sehen! Geh vorwärts! Trauere nicht vergangenen Tagen nach! Du bekommst etwas Besseres dafür! Aber alle Geborgenheit aufgeben? Sterbende und Tote dem Tod überlassen? Nein. Das kann keiner wollen. Schon der Gedanke, dass in Seniorenheimen und Krankenhäusern die Besuche eingeschränkt werden müssen, tut einem ja in der Seele weh.

Aber so ist das: Das Leben ist kein Ponyhof. Manchmal passieren Dinge, die wir nicht vorhersehen können. Dann müssen wir damit umgehen und umsichtig handeln. Manche Entscheidungen sind so gravierend, dass sie nicht ohne unangenehme Folgen zu haben sind. Wie die, Jesus nachzufolgen. Wer das vorhat, muss nicht auf Wanderschaft gehen. Aber eine Entscheidung ist das schon. Eine, die vielleicht auch auf Unverständnis stößt.

Aber das ist nicht einfach Verzicht. Jesus bietet sich uns an als lebenslanger Begleiter. Er ist auch noch da, wenn Beziehungen abbrechen oder wenn jemand gestorben ist, den wir gern hatten. An die Stelle von Unsicherheit tritt die Geborgenheit bei Gott.

Das Tolle ist: Das geht sofort. Unser Einwand: „Aber ich muss erst noch Klopapier kaufen...“ zählt nicht. Wenn Sie lesen, hören und beten ist das schon der erste Schritt.

Den Text des Evangelisten Lukas möchte ich ergänzen durch einen Vorschlag zum Hören. Wenn Sie auf Youtube „i will follow him sister act“ eingeben und den ersten oder zweiten Treffer anklicken, hören und sehen Sie den Chor der Nonnen aus dem Film mit der großartigen Whoopie Goldberg. Ein kleiner, kurzer Ersatz für mitreißende Gottesdienste, die in diesen Tagen ausfallen. So fröhlich kann Nachfolge sein.

Wer beten möchte, kann das mit folgenden Worten tun:

Du Gott des Lebens, Du rufst uns, aber wir sind unsicher und fürchten uns.

In diesen Stunden und Tagen schwanken wir zwischen Zuversicht und Angst.

Wir machen uns Sorgen um unsere Lieben. Behüte und bewahre sie.

Krankheit bedroht die Schwachen und wir fühlen uns so hilflos. Behüte und bewahre sie.

Wir danken dir für alle, die in Krankenhäusern, Laboren und Ämtern arbeiten und sich um das Wohl aller bemühen. Behüte und bewahre sie.

Wir hören von den Flüchtlingen. Wir hören von den Kindern in Lagern und auf der Flucht. Sie alle wollen der Gewalt entkommen. Behüte und bewahre sie.

Wir hoffen auf das Ende der Gewalt. Leite die Mächtigen.

Wir wissen auch, dass unser Mitleid nicht genug ist. Lass uns solidarisch sein.

Mach unseren Mut größer als unsere Angst.

Zeig uns deine Liebe und lass uns deine Liebe weitergeben.

Bleibe bei uns mit deinem Trost, heute und jeden Tag.

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pastorin Birte Wielage

Advent heißt Ankunft. Gemeint ist die Ankunft Jesu Christi an Weihnachten. Advent will aber auch den Menschen die Möglichkeit bieten anzukommen, in Ruhe und Besinnlichkeit, in der Familie, bei sich selbst. 

Und der Advent ist eine Zeit der Musik, des Musikhörens genauso wie des Mitsingens. Ankommen und Musik kommen jedes Jahr in Hude zusammen in den musikalischen Adventsandachten in der St. Elisabeth-Kirche. Diese Andachten werden jeden Samstagnachmittag gefeiert und wollen eine gute halbe Stunde Zeit schenken zum Ankommen und für die Musik.

Andacht zum ersten Advent

Andacht zum zweiten Advent

Andacht zum dritten Advent