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Zwei Finger (Für meinen Bruder)

Es war einmal ein kleiner Junge. Er war ein lieber Kerl, aber wie alle kleinen Jungs hatte er manchmal Flausen im Kopf. Manchmal probierte er Sachen aus und hoffte, dass es keiner merkt. Kleine Jungs wissen eben noch nicht so genau, was die Erwachsenen alles mitbekommen. Und seine Mutter. Die konnte, je nachdem, manchmal ziemlich sauer werden. Normalerweise redete sie ihn dann mit seinem Vornamen und seinem Nachnamen an. Dann war es ernst.

Eines Tages hatte er den Bogen wohl überspannt. Diesmal reichte das mit dem Nachnamen nicht. Diesmal sollte er doch mal lieber kurz vor die Tür gehen. Er wehrte sich nicht dagegen. Er wusste genau, wann die Stunde geschlagen hat und das nichts mehr nützt. Also schlich er sich vor die Tür. Und wartete.

Was macht ein Vier- oder Fünfjähriger, der noch nicht von einer „gerechten Strafe“ sprechen würde, der aber merkt, dass Mama Recht hat? Wahrscheinlich stellt er sich vor, dass sie jetzt ganz traurig ist. Das will er nicht. Er will, dass alles wieder gut ist. Dazu muss er irgendwie wieder rein. Aber wenn Mama dann immer noch böse auf ihn ist? Und er doch noch nicht reinkommen darf? Da hat er eine Idee. Er würde ausprobieren, wie es ist, wenn er noch nicht ganz reinkommt. Sondern nur ein bisschen.

Die Tür steht einen Spalt offen. Er nimmt etwas Mut zusammen. Dann nimmt er zwei Finger. Er steckt sie durch die Tür, so, als wollte er mit den Fingerspitzen mal fühlen, wie die Luft da drinnen ist. Er sagt, nicht zu laut und nicht zu leise, etwas fragend: „Zwei Finger kommen.“ Und wartet ab.

Aber nur einen kleinen, atemlosen Moment. Denn natürlich darf er wieder reinkommen. Natürlich ist alles wieder gut. Dieses Friedensangebot ist unwiderstehlich.

Es ist nicht willkürliche Strenge, sondern Liebe, wenn Eltern ihren Kindern Grenzen aufzeigen. Es braucht das ganze Einfühlungsvermögen und die ganze Kreativität eines kleinen Jungen, der seine Mutter liebt, um sich so eine rührende Geste auszudenken.

Wäre das nicht schön, wenn diese Zwei-Finger-Diplomatie auch auf internationalem Parkett funktionieren würde? Ich stelle mir vor, dass Staatschefs erst einmal mit Fingerspitzengefühl testen, wie die Luft ist, ehe sie den Militärapparat in Gang setzen. Dass einer zwei Finger ausstreckt und der andere die ganze Hand zum versöhnenden Handschlag nimmt.

Das bleibt wohl ein schöner Traum. Dazu bleibt die Feststellung, dass kleine Jungs die klügeren Politiker sind.

Ihre Pastorin Birte Wielage

P.S.: Der kleine Junge hatte mit den zwei Fingern dann übrigens noch öfters Erfolg.

Gott macht Pause

Es läuft doch Vieles auf den Anfang hinaus. Wenn wir uns in einer Sache unsicher sind, dann hilft manchmal der Blick darauf, wie alles begann. Gab es vielleicht schon ganz früh so ein komisches Bauchgefühl? Manchmal kann das auch rückblickend noch ein Wegweiser sein. Oder ist umgekehrt etwas in eine Schieflage geraten, obwohl alles gut begonnen hat? Dann ist Aufgeben vielleicht gar nicht nötig.

Unser Blick fällt heute noch einmal auf die Geschichte, mit der alles begann. Dieses Mal ist es weniger eine Geste, sondern eine Grundeinstellung. Es geht um die Grundeinstellung Gottes zu dem, was er selbst im größten denkbaren Akt an Kreativität getan hat

In der ersten Geschichte der Bibel wird berichtet, dass Gott in nur sechs Tagen die ganze Welt erschaffen hat. Dieser Schöpfungsbericht steht noch nicht einmal im Widerspruch zu den Naturwissenschaften. Er bringt aus der Sicht des Glaubens alles nur anders auf den Punkt. Ich will auf den siebten Tag hinaus: „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.“ (1. Mose 2,2). Gott macht Pause. Sollte ihm etwa die Puste ausgegangen sein? Ihm, der vermutlich auch einfach drei Welten oder hundert hätte erschaffen können, wenn ihm danach gewesen wäre? Nein, er hält Maß. Er scheint eigene Grenzen zu kennen. Das Ausruhen ist ihm so wichtig, dass er diesen Ruhetag sogar segnet und heiligt.

Dieser Tag ist ihm so heilig, dass er ihn auch den Menschen zugesteht, sogar gebietet! Das dritte Gebot wird mit dieser Pause begründet: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun [...] Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage.“ (2. Mose 20,8-11) Gott ruht nicht nur aus, er lässt auch ausruhen.

Nun ist im Augenblick so Vieles unfreiwillig zur Ruhe gekommen. Für Manche ist der verordnete Stillstand bedrohlich, weil mit dem Gehalt die Lebensgrundlage wegbricht. Dennoch glaube ich, dass auch jetzt, wie sonst auch, die Pause ein Dienst der Liebe ist. Pause machen bedeutet Selbstachtung und das Eingeständnis, nicht ununterbrochen funktionieren zu können. Ein Tag in der Woche soll erkennbar anders sein als die anderen sechs. Ich mache Pause von mir selbst und meinem Handeln. Damit gönne ich auch den Anderen eine Pause von meiner Aktivität. Das ist auch jetzt ein guter Rat.

Normalerweise ist es das Wesen der Pause, dass sie unauffällig ist – wenn sie denn mit Nichtstun gefüllt ist. Aber wie so oft ist im Unauffälligen etwas Großes verborgen. In diesem Fall die Achtung vor mir selbst und den Menschen um mich herum.

Einen schönen 1. Mai wünscht Ihre Pastorin Birte Wielage

Gott schließt die Tür

Wieder nur Ärger. Die Menschheit hatte es sich auf Gottes Erdball gemütlich gemacht und sich eingelebt. Aber Gott musste mit ansehen, „dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war“ – und das auch noch andauernd. (1. Mose 6,5). Kaum vorstellbar, aber es wird berichtet, dass es dem liebenden Gott ernsthaft Leid tat, uns überhaupt erschaffen zu haben. Sein Empfinden war ähnlich tief wie die Bosheit der Menschen, denn „es bekümmerte ihn in seinem Herzen“ (1. Mose 6,6). In seinem – heiligen? – Zorn will er nichts mehr von ihnen sehen. Alle sollen sterben. Nur Noah nicht. Denn er und seine Familie hatten sich niemals etwas zuschulden kommen lassen. Auch in der neuen Lutherübersetzung wird dafür das altmodische aber schöne Wort „untadelig“  verwendet. Der Rest ist bekannt: Gott kündigt Noah die große Sintflut an, liefert ihm eine Bauanleitung für ein unfassbar großes Schiff, Noah wird zum Schiffbauer und baut die Arche, er wird zum Zoodirektor und sammelt Tierpaare ein. Der Regen setzt ein. Alle sind an Bord, Menschen und Tiere. Aber wer macht jetzt die Schotten dicht? Wenn die große Luke erstmal von außen geschlossen ist, müsste ja einer draußen bleiben... Eine erzählerische Lösung muss her. Die ist wieder eine der zärtlichen Gesten Gottes: „Der Herr schloss hinter ihm zu.“ (1. Mose 7,16) Das soll kaum anders vorstellbar sein, als dass die mächtige Hand des Schöpfers selbst aus dem Himmel nach unten greift. Gott hat sich dazu keiner Hilfsmittel bedient, eines Windstoßes oder so. Ganz sacht muss die Bewegung gewesen sein, damit nicht vom Rumms die Hühner aufflattern oder sich eins der Tiere den Schwanz einklemmt. Obwohl Gott doch mit einem großen Knall alles vernichten will.

Mir gelingt es einfach nicht, Gott für Sintflut verantwortlich zu machen – und deswegen sein Handeln in Frage zu stellen. Wenn er doch alles gut geschaffen hat, ist der Mensch doch selbst schuld, wenn dem Allmächtigen ob seiner Bosheit der Kragen platzt, oder? Ich finde diesen zornigen Gott sehr menschlich.

Gleichzeitig sehe ich im eigenhändigen Schließen der Tür einen großen Akt der Gnade. Wenn unsereins zornig ist, dann knallt schon mal eine Tür. Kurzfristig sorgt das für Aggressionsabbau, auch wenn die Tür nichts dafür kann. Noch mehr und ohne Worte, dafür umso lauter, sagt die verschlossene Tür aber: Ich will dich nicht mehr sehen. Etwas soll zwischen uns sein.

Wieviel schöner wäre es, wenn wir auch im Streit die Türen ganz sacht schließen würden. Nicht, um ein Hindernis zwischen zwei Menschen aufzubauen. Sondern um Pause vom Zorn zu machen und lieber dem Streit gnädig etwas entgegen zu setzen. Damit nach der (Tränen)Flut am Ende ein neuer Regenbogen leuchten kann.

Mit Blick auf blauen Himmel grüßt Ihre Pastorin Birte Wielage

 

Gott näht

Es ist nicht jedem Menschen gegeben, Liebe zu zeigen. Verliebte werden alleine plötzlich zu Dichtern und denken Worte, von denen sie gar nicht wussten, dass sie zu ihrem Wortschatz gehören. Aber wenn er oder sie dann vor ihnen steht, ist der ganze Kopf auf einmal leer und das Sprachzentrum versagt kläglich. Partner lieben einander noch immer, und trotzdem vergessen sie den Hochzeitstag oder wieviel Freude kleine Überraschungen machen können. Eltern würden sterben für ihre Kinder und schreien sie trotzdem ständig an. Das Leben ist manchmal krumm und schief.

Gott ist im Liebe-Zeigen ganz gut. Er ist sogar so geschickt, dass man die Zeichen seiner Liebe leicht übersehen kann. Dabei zeugen gerade seine kleinen Gesten von seiner wahren Größe. Die erste, um die es gehen soll, steht gleich im ersten Buch der Bibel, schon im dritten Kapitel. Gott hatte die ganze Welt erschaffen, mittendrin einen paradiesisch schönen Garten. Er hat sich die Menschen einfallen lassen, und schon gab es Probleme. Wie ein Vater hatte Gott seinen beiden geliebten Kindern Adam und Eva etwas verboten, um sie zu schützen. Alles, alles dürften sie essen, nur nicht die Früchte vom Baum der Erkenntnis und dem Baum des Lebens. Der Rest ist bekannt: Die Schlange belabert Eva, die kann nicht widerstehen und isst eine Frucht, verführt auch Adam dazu, beide schämen sich plötzlich für ihre Nacktheit, sie verstecken sich, Gott findet sie ohne suchen zu müssen und bestraft alle drei. Ich denke, der Rauswurf aus dem Paradies stand schon fest. Aber mitten in diesem ganzen Sumpf aus Gier, List, Misstrauen und Habenwollen gibt es eine unglaublich liebevolle Geste: „Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an.“ (1. Mose 3,21) Irre. Gott muss genäht haben. Sonst hält das doch nicht. Tacker hatte noch nicht einmal der Allmächtige erfunden. Er hat auch nicht gesagt: „Ich hab euch dahinten was hingelegt, zieht euch mal was über!“ Nein. Die Vorstellung ist, dass er selbst die beiden ersten Menschen angezogen hat. Er hat in den Abgrund ihrer Herzen gesehen. Aber er lässt sie nicht gehen, ohne ihnen in ihrer Scham zu helfen. Das ist großartig.

So könnte das doch auch gehen, oder? Mutter zu ihrem Kind, denkt: Du hattest gerade einen Tobsuchtsanfall? Ich zieh dir deine Jacke an. – Er zu ihr, denkt: Nie ist sie pünktlich... Ich helf ihr in den Mantel. – Sohn oder Tochter zum alt gewordenen Elternteil, denkt: Du erkennst mich nicht mehr? Ich zieh dich an.

Das sind Schattensprünge, weil der eigene Schatten übersprungen werden muss. Aber mit solchen Liebestupfern werden der Alltag und die Welt schöner.

Ihre Pastorin Birte Wielage

Es gibt eine Sonntagsandacht zum Thema 'Fußstapfen'. Es geht um die Fußspuren, die wir gerade in diesen Zeiten hinterlassen und auf die wir eines Tages zurückschauen werden. In dieser Andacht kommen auch die Konfirmationen zur Sprache, die an diesem und am kommenden Wochenende stattgefunden hätten und nun verschoben werden mussten. Diese Andacht ist von zehn Mitarbeitenden der Kirchengemeinde gestaltet worden, vom Konfimanden bis hin zu Mitgliedern des Gemeindekirchenrates und dem Online-Team. Die Predigt in dieser Andacht hält Pastor Reinerbackenköhler. Sie wird auch für alle Menschen ohne Internetzugang beim Martin-Luther-Gemeindehaus zum Pflücken aushängen und in der Elisabeth-Kirche ausliegen.

Für Kinder und Familien wird an diesem Sonntag auf dem YouTube-Kanal bzw. hier auf unserer Homepage wieder eine Bildergeschichte bereit gestellt. Michael, Melanie und Malte gehen in die Briefproduktion, was in diesen Tagen eine besonders wertvolle Form der Kontaktaufnahme ist. Die Geschichte wurde  geschrieben und gemalt von Pastor Reiner Backenköhler.

An diesem Sonntag, den 26. April,  wird auch wieder die St. Elisabeth-Kirche für zwei Stunden geöffnet sein. Von 14 bis 16 Uhr dürfen Gemeindeglieder unter Beachtung des Abstandsgebotes die Kirche betreten. Organisatorin und Gesprächspartnerin ist Pastorin Birte Wielage, die vor der Kirche auch zwei Sitzbänke zum 'Schnacken' mit Abstand aufstellen wird.

Einander dienen 

Heute kommt Idee Nr. 2: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Zufällig und ganz ohne Absicht ist das wieder ein Satz aus dem 1. Petrusbrief (4,10a).

Ganz naheliegend ist das nicht, dass ich das Dienen herausgreife. Denn das ist auf den ersten Blick etwas altmodisch. Hausangestellte beschäftigen geht erst ab einer hohen Gehaltsklasse. Wir reden heute auch eher von Butlern. Von Bedienung sprechen wir noch, wenn wir die Kellnerin im Restaurant meinen. Oder die Eltern halbwüchsiger Kinder stellen klar, dass sie schließlich nicht ihre Putzfrau / ihr Chauffeur oder Ähnliches sind.

Das wird dem Dienen nicht gerecht. Denn in meinen Augen ist es die Steigerung eines Wortes, das ziemlich hoch im Kurs steht, nämlich „Achtsamkeit“. Damit ist meistens ein In-sich-hinein-Hören gemeint, weil wir alle ja angeblich gar nicht mehr wissen, was wir eigentlich und wollen und uns kennen lernen müssen, um nicht zu kurz zu kommen. Nun ist es natürlich sinnvoll, ab und zu innezuhalten und mal zu gucken, ob alles noch im Lot ist. Oder ob Veränderungen anstehen. Aber mir persönlich ist das zu ichbezogen. Darum mag ich das Dienen lieber. Das enthält – jedenfalls so, wie es mit dem Bibelwort gemeint ist – beide Richtungen.

Erst einmal ist ganz selbstverständlich vorausgesetzt, dass wirklich jeder zum Dienen in der Lage ist. Denn ausnahmslos Jede und Jeder kann etwas. Alle haben eine „Gabe empfangen“, also eine Begabung für etwas. Mit diesem Satz gibt es schon einmal keinen Grund mehr, sich jemals bedeutungslos zu fühlen.

Dann wird der Blick auf den Anderen gelenkt. Wenn ich jemandem dienen, ihm oder ihr also etwas Gutes tun möchte, muss ich aufmerksam sein. Schließlich muss ich erst einmal herausfinden, was dieses Gute sein könnte. Ich beobachte also genau: Lässt einer die Schultern hängen? Ist die Energie verschwunden? In diesen Zeiten kommt es vielleicht noch mehr auf das Hinhören an: Wird etwas zwischen den Zeilen gesagt? Klingt die Stimme anders als sonst? Dann kann ich reagieren – und dienen. Wem das gerade beim Partner schwer fällt, weil der lange gemeinsame Aufenthalt im Haus alle Macken umso deutlicher hervortreten lässt, möge sich fragen: Warum nochmal war ich damals eigentlich so verliebt? Hoffentlich fällt Ihnen dazu eine Menge ein!

Schließlich ist das Dienen nicht einseitig. Denn der Aufruf geht nicht nur an mich, sondern an alle. Wir sollen „einander“ dienen, also gegenseitig. Jetzt kann ich natürlich darauf warten, dass andere damit anfangen. Aber wozu? Hier gilt einmal mehr die ganz unbiblische Weisheit: „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.“

Insgesamt ist die Aufforderung zum Dienen nicht einmal eine Überforderung. Wir brauchen nicht über uns hinauszuwachsen. Jeder soll einfach nur tun, was er oder sie (sowieso) kann.

Diese Art von gegenseitigem Aufeinander-Achten beobachte ich in Coronazeiten häufiger als vorher. Ich wünsche uns sehnlichst, dass das alles bleibt, wenn die Pandemie längst überstanden ist.

Ihre Pastorin Birte Wielage

Mittwoch, 22. April 2020 

Sorgen werfen 

Die Pflicht hat gerufen, und ich habe ihr geantwortet. Darunter hat nun die Vollständigkeit dieser kleinen Wochenbeiträge gelitten. Denn eigentlich sollen hier auch weiterhin von montags bis samstags kleine Texte stehen. Im Alltag, der sich wohl nach wie vor bei allen gerade ständig verändert, war das nun nicht umzusetzen – aber ich bleibe dran, versprochen!

Die Idee für diese angeknabberte Woche ist nun, kurze Bibelverse zu präsentieren, die eine gute Idee enthalten. Eine Idee gilt  dann als gut, wenn sie uns selbst entlastet oder uns zu etwas ermutigt oder auf einen neuen Gedanken bringt. So ungefähr.

Idee Nr. 1: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) Diese Idee finde ich doppelt gut, weil sie auch gleich begründet wird. Außerdem kann man sich die Umsetzung so schön bildlich vorstellen. Bei der Umsetzung kommt es – wie immer bei Ideen – auf’s Ausprobieren an.

Was mich angeht, könnte Sorgenwerfen gerne zu einer sportlichen Lebensdisziplin werden. Denn irgendwie besteht doch das ganze Leben aus einem ganzen Reigen an Tätigkeiten, die große Ähnlichkeit haben mit den Disziplinen bei Olympischen Spielen. Mit unserer Geburt hat Gott unser Olympisches Lebensfeuer entzündet, das vom ersten Tag unseres Lebens empfindlich ist und ausgehen kann. Er allein weiß, wann. Wir kommen auf die Füße und laufen unseren Lebensmarathon, bei dem es auch auf die Einteilung der Kräfte ankommt. Im besten Fall war unsere Familie dafür das Trainingslager, und unsere Eltern haben – ganz ohne Trainerlizenz – für bestmögliche Vorbereitung gesorgt. Auf diesem Weg treffen wir auf die verschiedensten Menschen, die sich auch alle sportlich, eben lebendig, betätigen. Wir absolvieren Schwimmstrecken, bei denen es auf mehr ankommt, als nur den Kopf über Wasser zu halten. Schon die Schulzeit kann ein Hürdenlauf sein, im Berufsleben wird er hin und wieder zum Hindernislauf. So sehr wir auf unsere Gesundheit achten, sind wir doch nie vor Verletzungen sicher. Im Mannschaftssport „eigene Familie“ strecken wir uns wie beim Hochsprung. Und manchmal braucht es eben die kurzen Kraftanstrengungen, weniger die Ausdauer, wie beim Werfen mit Diskus oder Hammer. Da kann einem ganz schwindlig werden!

Diesen Wurfdisziplinen möchte ich nun das Sorgenwerfen hinzufügen. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie Gummistiefelweitwurf. Denn Sorgen können so unförmig sein, und wenn man seine Nase zu nah dran hält, dann müffelt es irgendwie. Nun müssten normalerweise die Sorgen möglichst weit geworfen werden, würden aufplumpsen, ein kleiner Krater im Rasen entsteht, und dann misst jemand, lässt aber das Wurfobjekt liegen. Das Tolle an dieser biblischen Disziplin ist: Die Entfernung ist ganz egal. Es kommt nicht auf trainierte Arme an. Sondern wie schwer und unförmig die Sorgen auch sind, es können alle auf einmal geworfen werden. Dann steht einer da, der keinen Wettbewerb draus macht und nichts misst, sondern alles auffängt. Was da in seinen eigenen starken Armen landet, ignoriert er nicht, sondern hält es fest und kümmert sich darum. Denn Gott sorgt ja für uns. Allein die Vorstellung, dass wir unsere schweren, unförmigen, verstaubten und stinkenden Sorgenstiefel nicht im Keller oder auf dem Dachboden unserer Lebensbehausung herumstehen lassen müssen, finde ich total beruhigend. Bei niemandem sonst als Gott sind sie gut aufgehoben. Ich hole schon mal aus...

Ihre Pastorin Birte Wielage

Am morgigen Sonntag ist die St.-Elisabeth-Kirche von 14.00-16.00 Uhr zur Einkehr geöffnet. Darauf, dass die Auflagen eingehalten werden, achtet Pastorin Wielage und steht unter Einhaltung des Mindestabstands auch für Gespräche bereit. Außerdem kann kann die Predigt zum Sonntag mitgenommen werden sowie ermutigende Texte (Sie finden aber den Predigttext zum heutigen Sonntag auch unter Aktuelle Angebote - Gottesdienste einmal anders als Datei zum Drucken oder herunterladen). Wer einen Sonntagsspaziergang plant oder einen Gang zum Friedhof, kann dies also mit einem Abstecher zur Kirche verbinden.

 

Im Verlauf des Samstags finden Sie wieder zwei neue Beiträge in unserem YouTube Kanal. Die neuen Videos können Sie aber auch direkt hier auf der Homepage anschauen.

Pastor Reiner Backenköhler hat zusammen mit seinem Online-Team wieder eine Bildergeschichte gemalt und aufgenommen. Diese Geschichten sind übrigens nicht nur für Kinder geeignet, sondern sollen Menschen aller Altersgruppen das Herz erwärmen. Diesmal geht es um ein besonderes Nebenprodukt der Corona-Zeit: Um den "Piesepampel". Die neueste Geschichte heißt: "Oma Meyer und der Piesepampel von Posemuckel". Hauptfiguren sind wieder die "Vier M's", Michael, Melanie, Malte und Oma Meyer.

Die Huder Gospelsingers unter Leitung von Uta Rose haben ein Irisches Segenslied unter Corona-Bedingungen aufgenommen. Das Lied "Möge die Straße" wird mit vielen Chormitgliedern gesungen. Wegen des Kontaktverbotes haben sie sich dazu aber nicht an einem Ort treffen können, sondern jede Sängerin und Sänger hat kurze Abschnitte des Liedes zuhause aufgenommen und diese wurden am Ende zu einem Lied zusammengeschnitten. So zeigen die 'HuGos', wie Chöre auch in der Trennung gemeinsam singen können.

Holterdiepolter

Wie schon der Purzelbaum ist auch „holterdiepolter“ die Idee einer treuen Leserin. Mit diesem Wort kann man förmlich hören, was damit gemeint ist. Es handelt sich um eine „Lautmalerei“. Der dicke Wahrig (keine Diskriminierung! ein Wörterbuch!) schreibt, das sei eine „lautnachahmende Erweiterung zu poltern“. Der Lärm, wenn jemand etwa Hals über Kopf die Treppe hinunterläuft, kommt im Adverb schon vor. Rumms, Tür zu.

Solche Wörter gibt es eine ganze Menge. Besonders viele gibt es zur Beschreibung der Laute von Vögeln. Kleine Vögel piepsen, und schon beim Aussprechen sieht man doch die aufgesperrten Schnäbel der kleinen Flauschknäuel vor sich, oder? Wenn sie sich sängerisch weiterentwickelt haben, können sie tirilieren. Gänse sind darin nicht ganz so gut, sie schnattern halt. Was sich wiederum auf Menschen übertragen lässt: Wer friert, bekommt eine Gänsehaut und schnattert vor Kälte. Beim Kuckuck wurde sein Ruf zur Bezeichnung des ganzen Vogels. Dagegen irrte das Duo Klaus & Klaus im Klamauklied „Da steht ein Pferd auf dem Flur“ mit der vermeintlichen Ableitung: „Ein Pferd heißt Pferd, weil es fährt.“

Im Kinderbuch „Die kleine Hexe“ hat Otfried Preußler ihre fiese Tante Rumpumpel genannt. Logisch, als Wetterhexe kann sie es schließlich ordentlich krachen lassen – was sie dann auch im übertragenen Sinne tut, indem sie für ein Donnerwetter der Oberhexe sorgt. Auch „krachen“ ist übrigens schon qua Aussprache ein Beispiel für den damit ausgedrückten Lärm.

Wenn es Sommer wird, gibt es neue Beispiele: Die Träger von Flipflops machen mit ihren Schuhen das typische floppende Geräusch, darum heißen die Dinger so. An einem heißen Tag ist es erfrischend, mit einem Zischen eine Flasche Limonade zu öffnen, das Blubbern im Glas zu hören und zu spüren, wie sie dann in der Kehle gluckert.

Sogar, was diese lautmalerischen Wörter angeht, lohnt sich ein Blick in die Bibel. So wird die Erde, als Gott sie gerade erst gewissermaßen als Rohling geschaffen hatte, als wüst (hebräisch tohu für Wüste) und leer (wavohu hebr. für Leere) beschrieben – also ein einziges Tohuwabohu! Dabei ist es nicht geblieben. Wir können mit dem Beter sagen: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet.“ (Psalm 104,24) Vom Piepsen der Vögel bis zum Pferd auf dem... Also, wenn da mal was durcheinander kommt, dann trägt dafür der Mensch die Verantwortung.

Kleiner Nachtrag zum Wochenschluss: Vielleicht meint nun der eine oder die andere, dass die biblischen Bezüge zu den lustigen Wörtern an den Haaren herbeigezogen sind. Ich halte dagegen: Die Bibel ist einfach ein Buch für alle Lebenslagen. Nicht nur zur Orientierung, für Trost und Ermutigung, sondern auch für die lauten und die albernen Momente.

Mit klappernder Tastatur grüßt Ihre Pastorin Birte Wielage